Sonntag, Juli 29, 2007

Die Post-Australienphase: Eva in Thailand, Teil 5 (Ko Samui)

Foto: Big Buddha auf Ko Samui

Ko Samui ist die drittgroesste Insel Thailands (nach Phuket und Ko Chang) und befindet sich im Golf von Thailand, also oestlich des Festlandes. Und seit einiger Zeit befindet sich auf dieser Insel auch eine Touristin deutschen Ursprung namens Eva. Allerdings hat Eva schnell, sehr schnell sogar, festgestellt, dass sie bei weitem nicht die einzige Touristin ist. Und schon gar nicht eine der wenigen Touristen deutschen Ursprungs. Um es anders zu sagen: Man spricht deutsch! Man kann sich viele deutsche Zeitungen und Magazine kaufen, die Speisekarten der meisten Restaurants sind nicht nur ins Englische, sondern auch ins Deutsche uebersetzt und wie es sich fuer das Urlaubsziel eines deutschen Pauschaltouristens so gehoert, gibt es hier einen "Biergarten" nach dem anderen, Schnitzel, importiertes Bier und vieles mehr. Sobald man zu erkennen gibt, dass man aus Deutschland kommt, wird man von geschaeftstuechtigen Thais auf deutsch begruesst: "Hallo! Wie gehts?", bevor eiligst auf die Ware gedeutet wird mit dem Hinweis: "Saubillig!" Willkommen in Thailand! Willkommen auf dem Mallorca Thailands!

Obwohl ich mich insgeheim mit der Frage beschaeftige, warum alle Thai-Verkaeufer "saubillig" anstatt "billig" sagen, von wem sie das gelernt haben und ob es etwa eine extra "Deutsch fuer erfolgreiche Thai-Verkaeufer"-Schule gibt (Wer hat die gegruendet? Und wo ist die?!), habe ich mich damit abgefunden. Es bleibt mir ja auch nichts anderes uebrig. Allerdings tarne ich mich seither als Niederlaenderin ("Hollaendisch fuer Thai-Verkaeufer" wird anscheinend nicht angeboten), um am Strand vollkommen verkaeufer-ungestoert lesen zu koennen. Ich habe einen kleinen Holzbungalow mit Bad und Balkon, von dem aus ich genau 38 Sekunden zum Sandstrand brauche. (Wofuer hat man schliesslich eine Uhr mit Stoppuhrfunktion?) Der Strand, bei dem ich wohne, heisst Bophut und befindet sich im Norden der Insel. Er ist recht nett und vor allen Dingen ruhig. Natuerlich gibt es auch hier ein paar Restaurants und Bars, doch die meisten befinden sich am anderen Ende beim "Fisherman's Village". Wo sich uebrigens ganz viele franzoesische Restaurants befinden sowie moderne Bars. (Ueberhaupt sind auffallend viele Touristen aus Frankreich und Israel in Thailand unterwegs.) Hier in Bophut liege ich einfach nur faul am Strand herum und geniesse es, die trivialste Trivialliteratur zu verschlingen.

Natuerlich habe ich mir den Hauptstrand Ko Samuis, Chaweng, ebenfalls angesehen. Hier befindet sich der Grossteil der Resorts und Backpackerunterkuenfte. Und was bin ich froh, dass ich dort nicht gelandet bin! Ich glaube, die Bezeichnung Chawengs als "Ballermann Thailands" trifft es am Besten. Der Sand ist zwar fein und schoen, das Meer auch; das Ganze wird allerdings durch die Grosszahl der Touristen, Jetskis und Bars, die ihre Lautsprecher Richtung Strand ausgerichtet haben und in maximaler Lautstaerke Musik auf die Partymenge, die entweder gerade im Sand liegend ihren Rausch ausschlaeft und sich dabei einen furchtbaren Sonnenbrand zuzieht oder in einer der Strandbars dafuer sorgt, dass der Alkoholpegel nicht unter 1,5 Promille (mindestens!) faellt, erheblich beeintraechtigt.

Ueberhaupt muss Werbung anscheinend vor allen Dingen eins sein: Laut! Als ich zum ersten Mal Musik vernahm, die so laut war, dass sich daneben das Startgeraeusch eines Jumbo-Jets wie ein leises Saeuseln anhoeren wuerde, nahm ich irrigerweise an, dass nun eine Art Loveparade-Verschnitt auf mich zurollen wuerde. Nur lauter. Tatsaechlich war es lediglich ein Pick-Up, links und rechts der Ladeflaeche mit Postern inklusive Werbebotschaft versehen sowie mit einem Paar besonders leistungsfaehiger Lautsprecher ausgestattet. Ach so, Thai-Boxing tonight! Nein danke, ich bin schon von dieser Attacke auf meine Hoerorgane voellig erschlagen. Ich hoffe nur, dass bei uns daheim niemand auf so eine Idee kommt. Selbst wenn, wuerde dies wohl eindeutig unter Ruhestoerung, Laermbelaestigung oder aehnliches fallen und gar nicht erst erlaubt werden. Gott sei Dank!


Neben dieser ganz besonderen akustischen Bedrohung muss man laermtechnisch ebenfalls damit rechnen, dass man alle Nase lang angehupt wird, wenn man die Strasse entlang laeuft: Taxis, Moped-Taxis und sogar Busse hupen naemlich, um auf sich aufmerksam zu machen. Was einerseits recht praktisch ist, wenn man tatsaechlich ein Taxi, Moped-Taxi oder einen Bus nehmen will, weil man nichts weiter zu tun braucht als zu warten und dem Hupenden ein kleines Zeichen zu geben. (In Thailand winkt man uebrigens anders, ist allerdings schwer zu beschreiben.) Andererseits ist es ziemlich zermuerbend, wenn man etwa nur zu der ca. eine Viertelstunde entfernten Postfiliale laeuft, und gerade *HUP* loslaeuft, natuerlich *HUP HUP* die Strasse entlang, um *HUUUP* - nein, danke, ich brauche kein Taxi! - wo war ich? Achja, um *HUP* - ... also, um *HUUUP*. Mist, Faden verloren. Aber vielleicht koennt ihr ja ahnen, was ich meine.

Auf Ko Samui gibt es neben den Straenden auch sonst ein wenig was zu sehen. Zum Beispiel - surprise, surprise! - Tempel. Wenn ich jetzt gemein waere, koennte ich ja behaupten, dass diese lediglich auf der Insel sind, damit die Pauschaltouris sich auch mal fuer eine Viertelstunde einen buddhistischen Tempel ansehen und dann daheim damit prahlen koennen, wie sehr sie sich fuer die hiesige Kultur interessieren. Aber ich bin ja nicht gemein. *drohend in die runde schau* Da waere zum einen der Plai Leam Tempel, der auf einer Art Plattform im Design einer Lotusbluete in einem Teich schwimmt. Direkt daeben befindet sich auch ein grosser Buddha und der Chinese Lady Monk. Dann waere da Big Buddha im Wat Phra Yai Tempel: 12 Meter hoch, eines der Wahrzeichen der Insel. Mit Blick aufs Meer; ihm zu Ehren ist der dortige Strand als Big Buddha Beach bekannt. Mein Favorit ist jedoch der Khunaram Tempel, da er Heimat des "mummified monk", des mumifizierten Moenches, ist. Ja, richtig gehoert. Ein mumifizierter Moench. Und zwar handelt es sich dabei um Phra Kru Samathakittikhun. Das war ein Thai, der sich im Alter von 50 Jahren entschlossen hat, ein Moench zu werden. Er hat seinen eigenen Tod vorausgesehen und starb im hohen Alter von 79 Jahren und 8 Monaten. Ja, richtig gelesen. (Warum eine derart genaue Altersangabe? Ist das hier so ueblich? Erinnert mich ja eher an die Kindergartenzeit. Irgendwie kann ich mir folgendes Gespraech zwischen Rentnern nicht wirklich vorstellen: "Hallo, ich bin der Heribert, ich komme aus Muenchen und bin 69 Jahre und 2 Monate alt." - "Servus, Heribert! Ich bin der Willi und 71 Dreiviertel.") Zurueck zum mumifizierten Moench: Der ist mittlerweile schon ueber 30 Jahre tot. Und weil sein Koerper einfach nicht verwesen wollte (Zu viele Konservierungsstoffe im Thai-Food?), ist seine Familie auf die Idee gekommen, ihn sitzend, in meditierender Haltung, in einem Glaskasten im Khunaram Tempel "auszustellen". Als Symbol, um zukuenftige Generationen dazu zu inspirieren den buddhistischen Lehren zu folgen und von ihren Leiden erloest zu werden. Tja, irgendwie bin ich ja skeptisch, ob dies tatsaechlich auch nur eine Person dazu inspiriert hat. Nichtsdestotrotz wird der Leichnam - wie schon Schneewittchen und Lenin - in einem Glaskasten zur Schau gestellt, wo ihn taeglich ganz viele Touristen fotografieren. Schliesslich hat er auch eine besonders schicke Sonnenbrille an. Ob die wohl ebenfalls zum Buddhismus inspirieren soll?

Ein weiteres Highlight und angeblich das meistfotografierte Motiv der Insel sind die zwei Felsformationen bekannt als Grandmother + Grandfather Rock. Es ist eindeutig erkennbar, welcher der beiden die Grossmutter und welcher der Grossvater ist. Doch warum nur heissen sie so? Und was hat sich die Natur dabei gedacht? Ich hatte immer angenommen, dass Felsen jugendfrei sind. Schwer getaeuscht.

Sehr beliebt und ein Muss fuer Touristen sind die "Monkey Shows". Klingt spannend, aufregend, exotisch, nicht wahr? So ein echtes Affentheater! Und tatsaechlich ist es grandios einer solchen Veranstaltung beiwohnen zu duerfen: Ein Affe klettert die Kokosnusspalme hinauf, schmeisst ein paar Kokosnuesse herunter, klettert die Kokosnusspalme wieder hinab, dreht eine Kokosnuss um die eigene Achse - Ende. Bravoo, bravooo! Zu-ga-be, Zu-ga-be! (Anmerkung: Der letzte Absatz war nicht wirklich ernst gemeint. Wie man so etwas ueberhaupt als Show bezeichnen darf, ist mir ein Raetsel. Egal, nun habe ich gesehen, wie ein Affe Kokosnuesse erntet und bin dadurch in eine andere Bewusstseinssphaere gerueckt, so lebensveraendernd war dieses Erlebnis.) (Noch eine Anmerkung: Der letzte Satz der vorherigen Anmerkung war uebrigens auch nicht ernst gemeint!)

Was noch? Ach ja: Ein Wasserfall. Ich besuchte den Namuang 2 Wasserfall. Seltsamer Name? Ob es auch einen Namuang 1 Wasserfall gibt? Ja, den gibt es schon, aber den besucht keiner. Denn der Namuang 2 Wasserfall ist viel hoeher, schoener, besser, und ueberhaupt: Wie kommt ihr nur darauf, dass es da noch einen anderen Wasserfall geben muss?!

Schliesslich habe ich noch Nathon, der groessten Stadt Ko Samuis, einen kurzen Besuch abgestattet und bin ueber die Maerkte geschlendert. Da sich hier der Bootspier befindet, der Strand nicht wirklich fuer den anspruchsvollen Strandtouristen geeignet ist und sich viele Touris gar nicht erst hierher verirren, gibt es die meisten Dinge um die Haelfte guenstiger als auf all den anderen Maerkten auf der Insel. Ansonsten gibt es hier nicht viel. Und damit haette ich all die Highlights Ko Samuis abgeklappert und kann mich nun wieder in Ruhe an den Strand legen. Schoen.

Freitag, Juli 20, 2007

Die Post-Australienphase: Eva in Thailand, Teil 4 (Railay, James Bond und mehr)

Foto: Der Strand Hat Phra Nang auf Railay

Railay ist eine Halbinsel, die nur via Long-Tail-Boat zu erreichen ist. Auf dem Weg dorthin faehrt man an gruen bewachsenen Felsen, die malerisch im Meer postiert sind, vorbei. Railay ist ein Kletterparadies fuer Freeclimber, doch auch die Sonnenanbeter kommen voll und ganz auf ihre Kosten. Anliegeplatz fuer mich ist Hat Railay East. Dieser Strand ist gar kein "richtiger" Strand: Mangroven, ein bisschen Schlamm. Hier befinden sich die meisten Backpackerunterkuenfte und Bars. Doch nur ein kurzer Fussmarsch fuehrt einen nach Hat Railay West mit pudrigem Sandstrand. Hier befinden sich die teuren Bungalows. Doch mein absoluter Lieblingsstrand ist Hat Phra Nang: Ueberhaupt keine Bungalows, weisser Sand, tuerkisblaues Wasser, imposante Felsen inklusive Hoehle, tolle Aussicht und ein bizarr anmutender Felsvorsprung, unter dem man schwimmen kann. Herrlich! Ueberhaupt scheint es hier so viele kleine traumhafte Inselchen zu geben, dass fast jeder seine eigene haben koennte.

Diese Naturschoenheit blieb natuerlich auch Hollywood nicht verborgen. Im Phang Nga-Nationalpark werden als "James Bond-Tour" deklarierte Ausfluege durchgefuehrt. Da bin ich doch mit von der Partie! Und wieder setzte ich mich in eines der ohrenbetaeubend lauten Long-Tail-Boote, welche das ultimative Fortbewegungsmittel in dieser Gegend darstellen. Wir fuhren durch eine Hoehle hindurch und an einer Insel, die wie ein Kamel aussah, vorbei und legten schliesslich bei Kao Tapoo an. Oder, wie sie ueberall angepriesen wird, "James Bond Island"! 1974 wurde "Der Mann mit dem goldenen Colt" (Roger Moore als 007) hier gedreht. Ich habe zwar diesen Film nie gesehen, aber allein der Landschaft wegen kann er ja nicht ganz so schlecht sein. Ich habe zwar mal wieder voll und ganz durchblicken lassen, dass ich kein echter James Bond-Fan, indem ich froehlich die Titelmelodie von "Mission Impossible" vor mich her summte, aber dennoch wurde ich deshalb netterweise nicht mit Veraechtung und Verdammnis gestraft. Die Insel selbst ist recht klein, fast winzig. Doch merke: Kein Ort, der von zahlreichen Booten voller Touristen besucht wird, ist zu klein, um dort nicht mindestens ein gutes Dutzend Souvenir- und Ramschstaende unterzubringen!

Nachdem die obligatorischen Beweisfotos vor dem James Bond-Felsen geschossen wurden, ging es wieder hinein ins Boot und nach Ko Panyee, ein muslimisches Fischerdorf. Dieses hat man einfach mitten im Meer auf Pfaehle gestellt. Schule, Moschee und alles, was man so braucht, ist dort vorhanden. In diesem Dorf assen wir zu Mittag und danach konnten wir wieder einmal an unzaehligen Souvenirstaenden vorbeilaufen. *seufz* Ich frage mich ehrlich, wie sich das rentieren kann, wenn 20 Staende genau den gleichen Kram anbieten! Doch anscheinend findet sich fuer jede noch so abstossende Art von Kitsch immer irgendwo ein zahlungskraeftiger, von ausgepraegter Geschmacksverirrung leidender Touri. Wieder rein ins Boot und an angeblich 3000 Jahre alten Felsmalereien der Wikinger (??) vorbei.

Zurueck auf dem Festland fuhren mal wieder zu einem Tempel: Wat Suwankuha, der Affen-Hoehlen-Tempel. Der Name ist Programm: Buddha, von einem Moench bewacht, befindet sich in einer riesigen Hoehle und am Eingang befinden sich ein paar Dutzend Affen, die man mit Baby-Bananen und Co. ("Feed the monkey, 10 Baht!!!") fuettern kann. Diese Aeffchen scheinen ein recht geruhsames Leben zu fuehren, schliesslich werden sie von all den Besuchern rund und kugelig gefuettert. Es sind auch einige Affenmuetter mit Baby zu sehen und ein paar gesetzte Affenherren, die ab und zu den juengeren Burschen unmissverstaendlich klar machen, wer hier das Sagen hat. Letzte Station des Tages war der Sra Nang Manora Forest Park, wo wir uns beim Manora-Wasserfall abkuehlen konnten.

Die Post-Australienphase: Eva in Thailand, Teil 3 (Ko Phi Phi)

Foto: Ton Sai Village auf Ko Phi Phi Don

Ko Phi Phi - dieser Name duerfte vielen von euch irgendwie bekannt vorkommen. Wichtig ist zu wissen, dass es sich dabei eigentlich um zwei Inseln handelt. Die groessere von beiden heisst Ko Phi Phi Don und die kleinere ist - die Schwaben wird es freuen - als Ko Phi Phi Le bekannt. Fuer die Freunde geografischer Angaben: Die Inseln findet man in der Andamanensee an der Westkueste Suedthailands. Uebernachtungsmoeglichkeiten gibt es lediglich auf Ko Phi Phi Don und daher war dieses Inselchen mein erstes Ziel im Sueden. Ich hatte ja ein wenig Bedenken, weil es gerade Regenzeit ist, aber diese waren absolut unnoetig. Es ist zwar manchmal ein wenig bewoelkt, ansonsten strahlt aber die Sonne munter auf uns herunter.

Mein erster Eindruck von Ko Phi Phi Don: Entsetzlich. Am Anlegesteg der Faehre wurden wir Passagiere von Dutzenden Thais begruesst, die uns Flyer der hiesigen Bars und Nachtclubs in die Hand drueckten und uns eine billige Unterkunft ("Tschip, tschip!!") verschaffen wollten. Nicht nur ich war auf die Idee eines kleinen Inselurlaubs gekommen und es war die Hoelle los. Staendig trampelte mir jemand auf die Fuesse. Das soll die ruhige Nebensaison sein?!

Auf der Insel selbst kann man sich lediglich zu Fuss oder auf einem Fahrrad fortbewegen. Oder eben mit einem Boot um die Insel herum. Der Hauptort, Ton Sai Village, befindet sich zwischen zwei Straenden. Und dieser Ort ist es, der damals im Dezember 2004 beim Tsunami komplett weggespuelt worden ist. Knapp zweieinhalb Jahre spaeter sind die Schaeden, die der Tsunami angerichtet hat, immer noch deutlich erkennbar: Kaputte Fusswege, Ueberreste frueherer Bungalows, unzaehlige Baustellen. Aber auch unzaehlige neu errichtete Gasthaeuser, Restaurants, Souvenirstaende, Tauchshops und alles, was der Inseltourist so braucht. Und was braucht der Inseltourist mehr als alle 20 Meter einen Massage-Salon, fuer den unaufdringlich akustische Werbung betrieben wird? ("HALLOOO, MASSAAAAASCH!")

Schnell stellte sich heraus, dass die beiden Hauptstraende, Ao Ton Sai und Ao Lo Dalam, zum Schwimmen eigentlich voellig ungeeignet sind. Ao Ton Sai ist der Strand, wo die Faehren und Dutzende Taxiboote anlegen. Benzin im Wasser, welches zwar die Kinder aufgrund der vielen Regenboegen entzueckt, mich aber nicht in Freudenspruenge versetzte. Nein, hier schwimme ich nicht. Ao Lo Dalam, Strand Nummer 2, ist bei Flut kaum breiter als ein Liegestuhl lang, dennoch sehr flach. Bei Ebbe kann man fast vollstaendig zu Fuss die Bucht durchqueren. Mit Schwimmen ist hier also nicht viel. Ausserdem liegt ueberall Muell herum, hauptsaechlich leere Plastik- und Bierflaschen. Nicht gerade meine Vorstellung von einem Traumstrand und ich werde mich bestimmt nicht neben einem Stapel Bierflaschen an den Strand legen.

Auf Ko Phi Phi Don gibt es neben dem Meer eigentlich keine weiteren "Sehenswuerdigkeiten", wenn man mal von der mehrere Stuefchen umfassenden Wanderung nach oben zu den zwei Ko Phi Phi-Aussichtspunkten absieht. Bis auf den Teil der Insel, wo sich der Touristenhauptort befindet, ist es hier naemlich recht huegelig. Wenn man einmal vor Ort ist und mit eigenen Augen sieht, wie leicht so viele Menschenleben damals mit einer rechtzeitigen Warnung gerettet haetten werden koennen, kann man es gar nicht glauben. In hoechstens fuenf Minuten kann man bequem eines der vielen Huegelchen problemlos erreichen. Die Insel bleibt uebrigens weiterhin stark tsunamigefaehrdet, ist aber nun wenigstens mit funkelnagelneuen Schildern ausgestattet, die im Falle des Falles den Weg zu diversen Evakuierungspunkten weisen.

Nachdem ich vom Zentrum Ko Phi Phi Dons sowie den beiden Hauptstraenden masslos enttaeuscht war, tat ich das, was jeder andere Inselbesucher frueher oder spaeter ebenfalls macht: Ich buchte einen Tagesausflug auf einem Schiff. Das erste Ziel: Die kleine Inselschwester Ko Phi Phi Le. Hier war die erste Station Maya Bay, wo damals der Film "The Beach" gedreht wurde. (Das Buch habe ich uebrigens mittlerweile gelesen, das Ansehen des Filmes habe ich aus Leonardo di Caprio-technischen Gruenden tunlichst und erfolgreich vermieden. Was uebrigens gar nicht so einfach ist, da jedes zweites Gasthaus mindestens einmal pro Tag eben diesen Hollywoodschinken in den DVD-Player schmeisst.) Die Bucht und die Insel sind sehr schoen anzusehen, was stoert, sind die Touristen. Die Massen, Unmengen, Heerscharen von Touristen! Ich schnorchelte ein wenig und entdeckte, dass viele Korallen abgestorben sind. Ankerschaeden, nehme ich mal an. Von Oeko-Tourismus hat man anscheinend noch nie etwas gehoert und jeder ankert dort, wo er mag. Neben toten Korallen entdeckte ich auch viele, viele Plastiktueten am Grunde des Meeresboden. Was mich ehrlich gesagt leider absolut nicht verwundert hat.

Kleiner Exkurs: Die Thais scheinen meiner subjektiven Meinung nach absolute Weltmeister im Plastiktuetenverbrauch zu sein, sogar noch schlimmer als die Amis! Ein Beispiel: Wenn ich mir eine (Plastik-)Flasche Wasser kaufe, bekomme ich automatisch einen Plastikstrohhalm und beides wird in eine Mini-Plastiktuete gestopft. Teilweise starren mich die Verkaeufer unglaeubig an, wenn ich die Flasche aus der Tuete auspacke, in meinen bereits vor zwei Minuten demonstrativ geoeffneten Rucksack stecke und den Strohhalm ebenfalls links liegen lasse. Abfalleimer, falls ueberhaupt vorhanden, sind allerorts Mangelware. Weshalb ich dazu uebergegangen bin mir eine kleine Plastiktuete als Abfalltuete in meinem Rucksack zu behalten. Exkurs Ende.

Nach dem Besuch der Maya Bay ging es weiter zu der "Viking Cave". Thailaendische Wikinger?? Das war mir neu! Normalerweise kann man diese Hoehle besichtigen, war aber zu dem Zeitpunkt meines Besuches gerade geschlossen. Ko Phi Phi Le ist traumhaft anzusehen und es gibt mehrere kleinere Straende und Buchten, in denen man mit einem privat gemieteten Motorboot anlegen kann. Das wuerde ich jedem waermstens empfehlen, das bisschen Geld mehr ist gut investiert. Wir umkreisten Ko Phi Phi Le einmal komplett und zurueck ging es Richtung Phi Phi Don.

Hier ankerten wir am Shark Point. Fleissig geschnorchelt, aber keinen einzigen der harmlosen Haie entdeckt. Dafuer aber auch kein gefaehrliches Exemplar. Weiter ging es zu einem kleinen Inselchen namens Bamboo Island. Suess. Ko Phi Phi Don ist uebrigens recht gross und es gibt viele Straende, die Privatstraende von diversen Luxusresorts sind. Diese scheinen wirklich traumhaft zu sein. Fuer Backpacker wie mich allerdings unbezahlbar. So nah und doch so fern, das alte Spiel.

Wir umzirkelten Ko Phi Phi Don ebenfalls einmal komplett und legten einen letzten Stopp am sogenannten "Monkey Beach" ein. Mit einem blauen Plastik-Kayak paddelten wir an den Strand, der angeblich nur von Affen wimmeln sollte. Natuerlich sah keiner von uns auch nur einen einzigen Affen. Manchmal glaube ich wirklich, dass diverse Ortsnamen lediglich fuer Touris erfunden werden, um bessere Verkaufsargumente liefern zu koennen und in die Postkarten einfach via Photoshop Affen hineinretuschiert werden.

Gegen 16.30 Uhr legten wir wieder an. Aber wie jetzt, der Sonnenuntergang sollte doch auch noch mit im Paket sein und der war erst gegen 18.30 Uhr?? War er auch: Wer wollte, konnte auf dem Boot bleiben und sich von hier aus den Sonnenuntergang ansehen, der eigentlich auf der anderen Seite der Insel zu sehen ist. Schlau! Schliesslich stand nirgends, von wo aus man den Sonnenuntergang betrachten wird und es ist ja nicht der Fehler der geschaeftstuechtigen Thais, wenn die Touristen annehmen, dass dies ein Sonnenuntergang im Meer sein wird. Dumm von mir, dass ich das angenommen hatte.

Mich hielt nichts mehr auf Ko Phi Phi. So schoen diese Inseln sein koennen und bestimmt auch mal ueberall waren, so ist es doch einfach eine Schande zu sehen, welch haessliche Narben der Massentourismus auf einem derart wunderschoenen Fleckchen Erde hinterlassen kann. Mit diesem fast philosophisch und ueberaus weise anmutenden Schlusswort ende ich meinen heutigen Eintrag.

Samstag, Juli 14, 2007

Die Post-Australienphase: Eva in Thailand, Teil 2 (Shopping in Bangkok)

Foto: Der Shopping-Tempel MBK

Vergesst New York! Bangkok ist die wahre Stadt, die niemals schlaeft. Vertraut mir. Und fuer Leute, die dem Shopping verfallen sind, muss Bangkok das Paradies sein! Nicht nur der Preise wegen. Klamotten auf den Maerkten koennen sich allerdings nur problemlos Frauen, die nicht unbedingt 1,80 m gross sind, besser noch: Frauen, die in Deutschland nur in der Kinderabteilung einkaufen koennen, kaufen. (Von Schuhen mal ganz zu schweigen, hier ist ja Groesse 39 das XXL-Format der Fussbekleidung. *boese auf meine riesentreter schau*) Thai-Frauen sind nun mal sehr zierlich und im Verhaeltnis zu uns Riesenfrauen eher klein. XXS ist mehr die Regel als die Ausnahme.

Mal abgesehen von den bunten Strassenmaerkten, ist fast jeder Einkauf hier ein exotisches Erlebnis. Nehmen wir mal zum Beispiel etwas, was bei uns daheim ganz banal ist. Etwa der Kauf eines Zugtickets. (Wichtiger Hinweis: Es folgt nun die Geschichte, wie Eva auszog sich ein Zugticket zu kaufen. Einen Tusch, bitte!)

Es ist ein heisser, sonniger Morgen in der versmogten Hauptstadt Thailands. Da beschliesst eine sehr sympathische Backpackerin, nennen wir sie einfach mal Eva, sich ein Zugticket in den Sueden des Landes zu kaufen. Da sie weiss, dass der Kauf dieses Tickets in einem der zahlreichen "Reisebueros" viele Gefahren und Fallstricke fuer ihren Geldbeutel und den reibungslosen Verlauf ihrer Reise darstellt, moechte sie es direkt am Bahnhof kaufen. (Sie ist ja so klug!) Der Bahnhof ist allerdings ganz woanders. Ein Taxi muss her. Da viele Taxifahrer, den "I love Farang" (farang = Auslaender) und "I speak English"-Stickern am Fenster zum Trotz, nur das Dutzend-Englisch beherrschen, also nur ein gutes Dutzend englischer Woerter (mal sehen, ob sich dieser Ausdruck von mir durchsetzen kann), kramt Eva vorsichtshalber eine Karte von Bangkok heraus, um unmissverstaendlich ihr Ziel mitteilen zu koennen. Nicht, damit sie versehentlich - oder auch "versehentlich" - zuerst zu einem anderen Bahnhof gebracht wird.

Sie hat die Karte noch nicht einmal geoeffnet, als der erste hilfreiche Taxifahrer schon neben ihr steht: "Where do you go?". Nein, zum Bahnhof bringt er sie nicht. Der ist doch viel zu weit weg! Aber er faehrt Eva gerne zum Reisebuero seines Bruders, dort kann sie sich ein Zugticket kaufen. "Special price, for you!!" Hoeflich verneint sie, was ignoriert wird. Der Taxifahrer laesst nicht locker. Sie verneint immer noch hoeflich, aber bestimmt. Da kommt ihr ein anderer Thai zu Hilfe, sagt etwas zu dem Taxifahrer, woraufhin dieser sich schmollend verzieht.

Der hilfreiche Thai entpuppt sich als geschaeftstuechtiger Tuk Tuk-Fahrer, der sie zur Touristen-Info fahren moechte. Dort koenne sie sich ein Zugticket kaufen. Eva verneint erneut. Erstens weiss sie, dass sie in der Touri-Info nichts buchen kann und zweitens ist ihr ebenfalls bewusst, das die Touristen-Information ganz woanders ist. Sie laesst den Tuk Tuk-Fahrer stehen und macht sich auf zum naechsten Taxi. Der Fahrer dieses Fahrzeuges hat keine Probleme damit, sie direkt zum Bahnhof zu fahren. Zufrieden steigt Eva ein. Und keine 20 Meter spaeter steigt sie aeusserst unzufrieden wieder aus. Der Fahrer weigerte sich strikt, das Taxi-Meter - so heissen hier die Taxameter - einzustellen. Angeblich sei es kaputt. Aber: "Special price, for you!! 200 Baht!!" (1 Euro momentan ungefaehr 43 Baht.) Fuer die Strecke zum Bahnhof viel zu teuer. So dumm ist Eva nicht.

Versuch bei Taxi Nummer 3. Frau lernt dazu und fragt erst einmal, ob das Taxi-Meter funktioniert. Tut es nicht. Auch bei Taxi Nummer 4, 5 und 6 ist dieses seltsamerweise ausser Gefecht gesetzt. Ein Thai, der das Taxi-Hopping von Eva beobachtet haben musst, teilt ihr schliesslich mit, dass in dieser Strasse hier und in jener Strasse dort alle Taxi-Meter auf magische Weise funktionsuntuechtig seien. Dort an der Ecke wuerden jedoch Taxis fahren, wo das Taxi-Meter keinerlei Probleme machen sollte. Also gut, was hat sie schon zu verlieren. Und tatsaechlich: In Taxi Nummer 7 leuchten ihr rote Ziffern entgegen. Hurra! Schnell gibt sie, eindringlich auf die Strassenkarte deutend, ihr Fahrtziel bekannt. "Do you buy ticket?", fragt sie der Fahrer. Blitzschnell reagiert sie und teilt mit, dass sie lediglich eine Freundin am Bahnhof abhole. Somit wurden ihr keinerlei Reisebueros oder sonstige Exkursionen empfohlen. Ha! Zwar zur Luegnerin mutiert, aber dafuer wurde sie endlich ohne weiteres zum Bahnhof gefahren. Der Taxifahrer war sehr nett. Er sprach zwar kein Englisch, fuehlte sich aber zum Alleinunterhalter berufen und imitierte Tuk Tuk-Geraeusche, um Eva zum Lachen zu bringen. Ausserdem erfand er das Spiel "Ladyboy - No Ladyboy", als sie durch Bangkoks Transvestiten-Viertel fuhren. (Thailaendische Transvestiten sind echt beeindruckend!)

Endlich kam unsere Heldin am Bahnhof an und zahlte den Fahrpreis von sage und schreibe 70 Baht. Nun war unmissverstaendlich klar, dass "Special Price, for you!" nichts anderes bedeutet als "He, ich zocke dich naive Touristen so richtig ab". Kurz vor dem Ziel werfen sich ihr viele Thais, die einen Ausweis umhaengen haben, in den Weg: "You want ticket?" Nicht mit Eva! Sie ist nicht den ganzen weiten Weg zum Bahnhof gefahren, um auf den letzten Metern zu Fall gebracht zu werden. Zielstrebig steuert sie das "Advanced Booking Office" an und kauft sich ohne weitere Probleme ihr Zugticket. Geschafft! Eva hat ein Zugticket gekauft!!!

Dieses Mal war ich also erfolgreich, ich will aber gar nicht wissen, wie oft man mich schon ums Ohr gehauen hat. Dennoch bilde ich mir ein und hoffe sehr, dass es mir nicht ganz so oft wie anderen Touristen passiert. Von meinem Erfolg ganz berauscht stieg ich mit meinem Zugticket in der Tasche in ein anderes Taxi, um zum Siam Square zu fahren. All die Taxifahrer, mit denen ich bisher gefahren bin, sind uebrigens gute Autofahrer. Das muessen sie angesichts des Verkehrs wohl auch sein. Gut, ich bin zwar noch nie im Leben ueber so viele rote Ampeln am Stueck gefahren worden, aber dafuer wussten sie immer damit umzugehen, wenn aus der eigentlich zweispurigen Strasse kurzerhand eine dreispurige wurde oder einem auf dem Seitenstreifen am Highway viele Moped-Geisterfahrer entgegen kommen. Neben den Taxis und Tuk Tuks gibt es auch Moped-Taxis, aber die kann sich eigentlich nur ein Lebensmueder antun. Apropos Mopeds: Motorroller hier sind grundsaetzlich fuer drei Personen gedacht und Frau sitzt schon mal gerne seitlich im Damensitz auf dem Sattel, Haende ueber dem Handtaeschchen im Schoss verschraenkt, waehrend sich der Fahrer mit mindestens 50 Sachen durch Autos hindurchschlaengelt. Schutzhelme? Wer braucht die schon...

Von einem meiner Taxifahrer habe ich uebrigens erfahren, dass das Taxi-Geschaeft in Bangkok momentan sehr schlecht laeuft. Verdiente man frueher durchschnittlich 1000 Baht, an einem guten Tag auch schon mal 1500 Baht, kann man heute froh sein, wenn man 200 Baht verdient. Auf meine Frage, warum dies so sei, bekam ich als Antwort: "Because of the Army-Mafia." Bitte was, die Army-Mafia?? "Yes, yes, Army-Mafia." Leider musste ich zu diesem Zeitpunkt aussteigen, aber ich hatte sowieso das Gefuehl, dass er mir schon zu viel verraten hatte und auf meine Nachfragen nicht weiter eingegangen waere. Ich wuesste zwar gerne mehr darueber, aber einfach mal ein paar Thais anhauen und danach zu fragen, ist mir dann doch zu riskant.

Ich stattete also Siam Square im modernen Teil Bangkoks einen Besuch ab. Das Zentrum der Einkaufsstadt! Hier findet man nicht nur eins, zwei oder drei, sondern gleich 4 riesige Einkaufstempel. Fuer jeden Geldbeutel etwas. Angefangen bei dem wahren Luxusschuppen, wo sich selbst ein normalverdienender Westeuropaer fuer ein Monatsgehalt hoechstens einen Serviettenring leisten koennte, bis hin zu meinem Favoriten: MBK. Eine gigantische Shopping-Mall, die zwar etwas chaotisch ist, aber neben regulaeren Geschaeften auch Ramsch-Staende beherbergt. Die Mischung machts! Das ueberall auf den Strassen Raubkopien der aktuellsten Musik-CDs und Kinofilme verkauft werden, kann ich ja irgendwo, aber auch nur irgendwo, noch einsehen. Das man dies aber auch in einer Shopping Mall (sprich: im MBK) machen kann? Ist das etwa legal?!

Gekauft habe ich mir uebrigens nix, ich will ja schliesslich nicht unnoetige Kilo Gepaeck Tausende von Kilometern mit mir im Lande herumschleppen. Nachdem ich also vom Bummeln und den vielen, neuen Eindruecken genug hatte (uebrigens ein fantastischer Ort zum Leute beobachten), ging ich ins Kino. Genauer gesagt der neueste Harry Potter-Streifen. Naja. Bevor der eigentliche Film anfing, huepften alle wie von der Nadel gestochen von ihren Sitzen auf. Ein bisschen Sport, um das Popcorn abzutrainieren? Nein, es wurde die thailaendische Nationalhymne gespielt und viele, viele, viele Bilder vom Koenig und seiner Famile auf die Leinwand projeziert. Aus Hoeflichkeit und Respekt bin ich natuerlich auch aufgestanden, schliesslich wurde man extra auf Englisch darauf hingewiesen. Der letzte Ton war noch nicht einmal vollstaendig verhallt, da setzten sich alle wie auf Kommando wieder hin, luemmelten sich in die Sitze und mampften ihr Popcorn. Ein Kinobesuch ist also doch fast wie bei uns daheim.

Zum Thema Shopping kann ich ausserdem noch meinen Besuch beim Chatuchak Weekend Market beisteuern. Auf diesem Markt gibt es alles, absolut alles, was man sich nur vorstellen kann! Neben Souvenirs, Klamotten und Lebensmitteln zum Beispiel auch Moebel, einen thailaendischen Cowboy und vieles mehr. Es gibt dort so viele Gaesschen, dass man recht schnell die Orientierung verliert. Ich habe mir laengst nicht alles angeschaut und trotzdem Stunden dort verbracht.

Damit hatte ich meine Schuldigkeit in Bangkok getan und es wurde an der Zeit, diese Stadt endlich hinter mir zu lassen. Schliesslich hatte ich mir nicht umsonst ein Zugticket gekauft...

Freitag, Juli 13, 2007

Die Post-Australienphase: Eva in Thailand, Teil 1 (Bangkok usw.)

Foto: Rush Hour bei dem Floating Market in Damnoen Saduak

Sawasdee! Das ist "Hi" auf Thai. Nun duerft ihr mal raten, warum ich euch auf diese asiatische Art und Weise begruesse. Richtig! Ich bin wieder in Thailand. Und das kam so: Ich sass in meinem Flieger zurueck nach Deutschland, als das Flugzeug einen Stopp in Bangkok einlegte. Da dachte ich bei mir: Wenn ich schon mal in der Kante bin, kann ich ja auch ein Weilchen bleiben. Ich bin zwar nicht mehr in Australien, werde hier aber dennoch ein wenig ueber meinen Thailandaufenthalt berichten. Dieser Service ist naemlich in meinem Blog inbegriffen: Eva in AuStralIA = Eva in Asia. Schlau, nicht wahr? *mir selbstzufrieden auf die schulter klopf*

In Bangkok habe ich erst mal dort weitergemacht, wo ich vor fast einem Jahr aufgehoert habe: Tempel gucken. Mein zweiter Besuch beim unter uns Touristen als "Golden Mount" (siehe rechts) bekannten Tempel war uebrigens von Erfolg gekroent, denn er war geoeffnet. Und somit konnte ich einen 360 Grad-Blick auf die Riesenstadt Bangkok werfen.

Da ich die wichtigsten Sehenswuerdigkeiten in der thailaendischen Hauptstadt bereits beim letzten Mal abgegrast hatte, war es nun Zeit fuer ein paar Ausfluege in die naehere Umgebung. (Wenn man denn so wie ich etwa 110 Kilometer als "naehere" Umgebung auffasst.) Mein erstes Ziel: Damnoen Saduak Floating Market, die schwimmenden Maerkte. Nicht gerade authentisch, hauptsaechlich Touristen als Besucher, aber dennoch toll. Frische Fruechte und allerlei andere Lebensmittel. Huete und alles, was man auch nur annaehernd als Souvenirs verscherbeln kann, ist auf Booten gestapelt, die auf den 'khlongs' (Kanaelen) entlangschippern. Lautstark und international ("Hello, hello!", "Hallo, hallo!" usw.) wird die Ware feilgeboten. Die meisten Souvenirs findet man uebrigens an den nicht-schwimmenden Staenden entlang der Khlongs. Der Weg zu den schwimmenden Maerkten bestand aus einer Busfahrt aus Bangkok heraus sowie einem Trip auf einem sog. "long-tail boat". Dies ist ein Motorboot, das ganz schoen schnell an Wohnhaeusern entlang der Kanaele dahinbrausen kann, dies auch tat und uns dabei ordentlich nass spritzte. Der Touristenselbsterhaltungstrieb setzte sofort bei mir ein und ich warf mich schuetzend ueber meine Kamera. (Kein Wasser soll sie ausser Gefecht setzen, solange ich in ihrer Naehe bin!) Fazit: Der Floating Market ist ein farbenfrohes Spektakel und man fuehlt sich dort weitaus mehr in Asien als in Bangkok. Allerdings immer noch in einem sehr touristischen Teil Asiens.

Mein naechstes Ausflugsziel stand rasch fest: Kanchanaburi. Das sagt jetzt wohl kaum jemanden etwas, daher der Touri-Name: Die Bruecke am River Kwai. Das klingt doch viel griffiger! Ja, genau die Bruecke, die man aus dem Film "Die Bruecke am River Kwai" kennt. Oder man kennt, wie in meinem Fall, lediglich den Filmtitel und konnte sich nie dazu aufraffen, sich diesen fast dreistuendigen Uraltschinken (aus dem Jahre 1957, Gewinner von 7 Oscars!) zu Gemuete zu fuehren. Tja, haette ich vielleicht mal besser machen sollen. Mittlerweile weiss ich, dass ich zumindest den River-Kwai-Marsch kenne. Der ist weltbekannt und wurde unter anderem als Melodie fuer die Underberg-Werbung missbraucht. (Uebrigens im Film deshalb gepfiffen, weil damals die meisten Strophen nicht an der Filmzensur vorbeigekommen waeren. Hach, da ist Eva mal wieder ganz schlau! Schlaeue ist meine Staerke! Moment, schreibt man Schlaeue wirklich so?? *gruebel*)

Auf jeden Fall habe ich mir ganz doll fest vorgenommen, dass ich mir diesen monumentalen Film innerhalb der naechsten Dekade ansehen werde. (He, ich bin Realistin!) Ist quasi Pflicht, da ich nun die Bruecke besucht habe. Die Generation vor mir, genauer gesagt: der maennliche Teil der Generation vor mir, die ebenfalls diese Bruecke besuchte, hat diesen Film mehr als einmal gesehen und war aufgrund unserer voelligen Unkenntnis und Ignoranz dieses filmischen Meisterwerkes schockiert. Dennoch speisten wir generationsuebergreifend versoehnlich zu Mittag in einem der vielen Restaurants, die auf dem Fluss schwimmen. Sehr nett. Dann ging es zur Bruecke und es war alles so, wie von mir erwartet: Die Bruecke war da, der River Kwai war da. Ach ja, und ganz viele Touristen waren da. Und ganz viele Souvenirstaende waren da.

Die Bruecke an sich ist recht unspektakulaer. Die Geschichte der Bruecke ist es, die sie so interessant und anziehend macht. (Mehr Infos hier.) Man kann uebrigens ueber die Bruecke laufen. Was ich natuerlich tat. Vorsicht ist angesagt: Da es sich dabei um eine Eisenbahnbruecke handelt, die eigentlich mal so gar nicht fuer Fussgaenger gedacht ist, sollte man in der Mitte laufen. Was angesichts der Touristenstroeme nicht immer einfach ist. Links und rechts an der Bruecke sind keinerlei Touristenauffangeinheiten vorhanden. Unvorsichtige Zeitgenossen koennen also recht schnell ungewollt in den Fluss fallen. Darauf habe ich ja heimlich die ganze Zeit gewartet. Ist aber nicht passiert. Ich selbst bin auch nicht in den Fluss gefallen, da ich schliesslich wieder mit neuen, aeusserst hilfreichen Ratschlaegen und Tipps aus dem Kreise von Familie und Freunden fuer meinen Thailandaufenthalt gewappnet war. Wie etwa: "Lass dich nicht vom Tiger beissen." Dazu muesste ich ja erst mal Tiger sehen, gell? Obwohl... Moment mal. Tiger? Gute Idee!

Keine 24 Stunden spaeter fand ich mich im Wat Pha Luangta Bua Yannasampanno wieder. Unter uns Doppel-"T"s (= Thailand-Touristen) besser bekannt als Doppel-T: Tiger Temple! Dieser Tempel ist eine Art Tierheim fuer Tiger und andere Tierchen, welches seit 1994 existiert. Der eifrige Tiger-Thailand-Tourist kann dort diesen niedlichen Kaetzchen ganz nahe kommen. Streicheln, an der Leine Gassi fuehren, kein Problem! Doch seid gewarnt: Tiger sind die thailaendische Fashion-Police. Wer rot, pink oder orange traegt, darf nicht zu den Tigern. Das moegen die so gar nicht. Was logischerweise die Frage aufwirft: Warum ist der rosarote Panther eigentlich rosarot? (Ich weiss natuerlich, dass Panther und Tiger nicht identisch sind und dass es nur in der Zeichentrickserie einen rosaroten Panther gibt. Dennoch ist es an der Zeit, dass jemand endlich mal diese Frage stellt!) Ach ja, wer wie ich die Tiger besucht und lila traegt, darf kurz Panik schieben, aber beruhigt sein: Lila macht die Tigerchen nicht aggressiv. Zum Glueck! Somit habe ich auch diesen Ratschlag beherzigt und mich nicht vom Tiger beissen lassen.

Nach der Tierwelt stand wieder etwas Kultur auf dem Plan. Ich stattete Ayutthaya einen Besuch ab. Bei dieser Stadt handelt es sich um die ehemalige Hauptstadt Siams, welches heute als Thailand bekannt ist, wo ich gerade bin. Macht doch Sinn, oder? In Ayutthaya gibt es ganz viele Tempelruinen zu sehen, die immer noch sehr imposant sind und einen in schieres Staunen versetzen, wie prachtvoll diese Koenigsstadt gewesen sein muss. Nicht umsonst handelt es sich hierbei um eine anerkannte Weltkulturerbestaette. So langsam habe ich das Gefuehl, dass ich alle Weltkulturerbestaetten toll finden wuerde. Vielleicht sollte ich dies zu meinem heimlichen Lebensplan machen? "Besuche alle Weltkulturerbestaetten dieser Welt! Gehe nicht ueber Los und ziehe keine 4000 Euro ein!"

Momentan bin ich immer noch in Bangkok und tueftele an meiner weiteren Urlaubsvorgehensweise. Wohin es mich als Naechstes verschlaegt, erfahrt ihr demnaechst. Mein Blog wird naemlich noch ein paar Wochen weiterleben.

Montag, Juli 09, 2007

Bye, bye, Australia

*raeusper* WARNUNG!! EVA SINGT!! *eva singt* “Start spreading the neeews, I’m leaving todaaaaay, because it is time to say bye bye, machs gut, machs guuut…”
(Ja, so lautet der wahre Text. Ehrlich.)

Gestern hatte D. noch eine Abschiedsueberraschung fuer mich parat: Sie hatte mich zum Abendessen eingeladen. Aber nicht in irgendein Restaurant. Ein Restaurant mit ueberdimensionalen, quadratischen Tellern und winzigen Portionen. Chefkoch: Einer der australischen Starkoeche. Ihr wisst, was das heisst: Exklusiv und teuer. Doch das Beste: Direkter und freier Blick auf das Opernhaus, welches direkt vor der Eingangstuere anfaengt. Und die Harbour Bridge war da auch noch irgendwo zu sehen. Ich hatte den Fensterplatz und konnte somit lange und ausgiebig das Opernhaus bei Nacht bewundern. Welches uebrigens verdammt traurig aussah. Ist es, weil es keines der neuen sieben Weltwunder geworden ist oder weil ich es fuer eine lange Zeit nicht mehr besuchen kann? (Hm, vielleicht war es auch nur der Regen.)

Auf jeden Fall habe ich noch nie zuvor in einem derart exklusiven Restaurant gespeist und ich fuehlte mich wie eine der Reichen und Schoenen dieser Welt. Gut, bin zwar weder reich noch…aeh, ich meine, bin zwar nicht reich, aber ich fuehlte mich seltsamerweise nicht deplatziert. (Obwohl es schon einen krassen Kontrast zu meinem 25 Cent teuren 2-Minute Noodles-Dasein darstellte.) Es war zweifellos ein wunderschoener, letzter Abend hier in Australien.

Und fuer die, die es trotz der dezenten Hinweise noch nicht kapiert haben sollten, noch einmal klar und deutlich der Newsflash: Ich verlasse Australien. *jubelrufe und konfettiparaden der australier ignorier* *jemanden singen hoer* “Nimm Abschied, Eva, ungewiss ist deine Wiederkehr.” - Moment mal, das glaube ich nicht!!

*jemanden sagen hoer* “Ich komme wieder!” – Richtig, da hat mir Gouverneur Arnie mal wieder die Worte aus dem Mund genommen. (Hach, er ist so eloquent. Aber was macht er nur in meinem Blog? *am kopf kratz*) Denn ich will unbedingt ebenfalls Western Australia und Tasmanien sehen, was mir dieses Mal aus geldtechnischen Gruenden leider nicht moeglich war. Natuerlich hatte ich ein paar Plaene in der Hinterhand, um doch noch diese beiden Landesteile zu sehen. Etwa mein Blog kostenpflichtig zu machen. (Geschaetzte Einnahmen: 1,64 Euro) Oder eine globale “Eva muss weiterreisen”-Spendenaktion zu starten. Nach stundenlangen Kalkulationen mit den geschaetzten Hoechsteinnahmen von sage und schreibe 12,80 Euro (wow!) bin ich allerdings zu dem ueberraschenden und aeusserst niederschmetternden Ergebnis gelangt, dass ich mit diesem Budget nicht besonders weit kommen wuerde. Zu grosse Konkurrenz von anderen Spendenaktionen wie etwa fuer vom Aussterben bedrohte Tierarten. Dabei bin ich doch selbst eine hochgradig gefaehrdete Art, das einzig lebende Exemplar! Dennoch war mir klar, dass dies von der Oeffentlichkeit nicht anerkannt werden wuerde. *schnief* (Ignorante Oeffentlichkeit. *grummel*)

Andererseits ist dies nicht ganz so schlimm, da momentan Fortsetzungen gross in Mode sind und diese Tatsache die beste Voraussetzung fuer eine Fortsetzung meines Blogs mit dem sagenhaften Titel “Eva in Australia – Teil 2” ist. Was fuer ein Titel! Und was fuer ein Cliffhanger! Hunderte von Fragen stellen sich einem:

Wird Eva auf direktem Weg zurueck nach Deutschland fliegen? Wird sie ins richtige Flugzeug einsteigen? Oder wird sie wegen illegalen Exportes von Koalas und Schnabeligeln sowie wegen des Diebstahles eines Swags verhaftet werden? Ist dies tatsaechlich das Ende ihres Blogs??

“Hasta la vista, Baby!” – Psst, Arnie, Ruhe jetzt, du machst die ganze dramatische Spannung kaputt. Kusch, ins Koerbchen! Kusch!! So ists gut. Braver Terminator. Brav.

Mittwoch, Juli 04, 2007

Eva in Sydney. Oder: Der Anfang wird das Ende sein.

Und alle mitsingen! “In Sydney steht ein Opernhaus, oans, zwoa, g’fotooot!” *knips* “Gleich gehn mir die Batt’rien aus, oans, zwoa, g’fotoot.” *schunkel* *knips* Ja, ich bin wieder in meiner australischen Lieblingsstadt angelangt. Um euch alle zu beruhigen: Das Opernhaus ist tatsaechlich immer noch hier. Aber irgendwie sieht es anders aus. So weltkulturerbig. Oder bilde ich mir das nur ein? (Als ob ich mir so etwas einbilden koennte. Tss.) Zur Sicherheit habe ich vorsichtshalber ein paar Fotos geschossen, um spaeter einmal das Opernhaus 2006 mit dem Opernhaus 2007 vergleichen zu koennen. (Manche Leute haben schon seltsame Hobbies. Doch es ist an der Zeit es zuzugeben: *tief luft hol* Hallo, mein Name ist Eva und ich bin ein Fan der “Finde die zehn Unterschiede”-Bildchen.)

Hier in Sydney bin ich zurueck bei D. und ihrem Freund, die mich wieder aeusserst herzlich empfangen haben. Es war so schoen sie nach knapp acht Moaten wiederzuehen! Langsam heisst es aber Abschied nehmen und wir haben eine kleine Liste erstellt, was wir noch alles zusammen machen wollen, bevor ich das Land verlasse. Ja, meine Tage in Australien sind gezaehlt, mein Rueckflug ist gebucht. Momentan nutze ich die Gelegenheit, meine Lieblingsplaetze in Sydney zu besuchen, dem regnerischen, kuehlen Wetter zum Trotz. Gut, die letzten Tage war es schoen warm (20 Grad) und sonnig. Winter eben. Wie immer scheinen die letzten Wochen nur so dahinzuschmelzen wie Kaese auf einer Pizza im Holzsteinofen. Mein Australienabenteuer hat hier in Sydney angefangen und hier wird es auch sein wohlverdientes Ende nehmen.

Wie ihr euch vielleicht denken koennt, gibt es noch Dutzende von Geschichten, die ich euch von meiner Zeit hier in Australien erzaehlen koennte. Etwa wie wir “United Nations” im Outback spielten. Wie ich 10 Stunden am Flughafen in Brisbane verbrachte. Wie ich die Bekanntschaft mit Ernie, dem Emu, machte. Wie ich illegale Madenwettrennen veranstaltet und die “Death Brush” erfunden habe. Wie ich in dem im wahrsten Sinne des Wortes (entschuldigt die Ausdrucksweise) beschissensten Hostel in Melbourne uebernachtete. Wie ich einen schnarchenden Kanadier in die Verbannung schickte. Wie unser Tourbus stecken blieb. Wie ich mit Hilfe von “Frankenstein” Englischunterricht im Outback erteilte. Was ich bei einem anderen Preisausschreiben gewonnen habe. Oder welchen schillernden Persoenlichkeiten ich begegnet bin. Und das ist nur ein kleiner Auszug.

Aber manche Geschichten muessen unerzaehlt bleiben. Geht hinaus in die Welt und erlebt eure eigenen Abenteuer, das ist doch viel spannender als meine Erlebnisse nachzulesen. Los, weg vom Bildschirm und raus ins Freie! Sofort! Und wenn ihr schon mal draussen seid, koennt ihr euch ein leckeres Eis kaufen und kurz an mich armes Wesen denken, welchem dieser Genuss noch fuer eine ganze Weile nicht vergoennt sein wird. *mich im selbstmitleid suhlen geh* *zum trost das opernhaus knuddeln geh*

Mittwoch, Juni 27, 2007

Eva im Kakadu-Nationalpark

Foto: Felsenmalereien bei Ubirr

Der Kakadu-Nationalpark ist halb so gross wie die Schweiz und eine weitere Weltkulturerbestaette Australiens, die sich im Northern Territory befindet. Eva ansehen muss, Eva ansehen muss! Gesagt, getan. Unsere relativ kleine Tourgruppe setzte sich in Darwin in das unbequeme und ueberaus unbequeme 4 Wheel Drive-Fahrzeug, welches uebrigens ziemlich unbequem war, und los ging die Fahrt Richtung Kakadu!

Doch bevor wir Kakadu erkundeten, unternahmen wir eine “Croc and Wildlife Cruise” auf dem Mary River. Das Northern Territory wimmelt nur so von Krokodilen, es ist quasi “Crocodile Country” schlechthin, daher hatten wir keinerlei Probleme diese niedlichen Tierchen zu finden. Ebenfalls unuebersehbar in den Wetlands sind die vielen Wasserlilien, deren Stamm man essen kann und der – Ueberraschung! – ziemlich waessrig schmeckt.

In Kakadu angekommen fuehrte uns unser Weg zuerst nach Ubirr. Da wir uns gerade zur Beginn der Trockenzeit befanden, gab es im gesamten Park zahlreiche, absichtlich gelegte, sog. “kontrollierte Buschfeuer”. Kontrollierte Buschfeuer sind zum einen wichtig fuer die Regeneration der Pflanzen, zum anderen koennen sie “echte” Buschfeuer verhindern, indem trockene Blaetter und anderer Zuendstoff vorher abgebrannt werden. Ich haette ja nie gedacht, dass ich einem Buschfeuer derart nahe kommen wuerde. Entlang des Fussweges vom Parkplatz nach Ubirr brannte links und rechts von uns der Busch teilweise lichterloh und wir mussten durch eine dichte Rauchwand gehen. *hust* Mir ist es ja ein Raetsel, wie sie die Feuer unter Kontrolle halten koennen. Uberaus faszinierend, wie die Flammen eine unsichtbare Linie knapp einem Meter von unserem Pfad entfernt nicht ueberschritten haben.

Aber zurueck zu Ubirr: Hier befinden sich besonders viele Felsenmalereien der Aboriginees. Man schaetzt, dass manche von ihnen teilweise ueber 30.000 Jahre alt sind! Allzu viel habe ich ueber diese Felsenmalereien allerdings nicht erfahren, da sich unser Tourguide als aeusserst schweigsam entpuppte. Dennoch: Ziemlich beeindruckend.

Die hiesige Flora und Fauna sind ebenfalls beeindruckend. Nicht umsonst wurde der Grossteil der “Crocodile Dundee”-Filme hier in Kakadu gedreht. Die Flora und Fauna Kakadus wird respektiert, verehrt und geschuetzt. Ausnahme sind die vor zig Jahren eingeschleppten, giftigen Kroeten (Cane Toads), die sich zu einer wahren Plage entwickelt haben und das biologische Gleichgewicht empfindlich stoeren. Diesen quakenden Quaelgeistern rueckt man erbarmungslos und eiskalt zu Leibe. Und wenn ich eiskalt sage, meine ich auch eiskalt. Kuehlschrank- und tiefkuehltruhenkalt, um genau zu sein. Da die Kroeten giftig sind, soll man sie naemlich nicht anfassen, zerquetschen oder Golf mit ihnen spielen. (Cane Toad Golf – kein Witz, sondern die wahrhaftige Wahrheit!) Die ultimative Empfehlung fuer deren Handhabung lautet: Kroete in den Kuehlschrank oder noch besser in die Tiefkuehltruhe stecken, zu Tode frieren lassen und dann ab in den Muell. Wie human. Und wie abstossend! (“Schatz, im Kuehlschrank ist kein Platz mehr fuer Yoghurt.” – “Natuerlich ist da Platz. Hier, einfach auf die Kroete stellen. Huch, schnell, schliess die Tuere, sie zuckt noch!”) Gut, es gibt in der Regel in den Wohngegenden einen Gemeinschafts-Kroetenkillkuehlschrank, aber das heisst ja noch lange nicht, dass den auch alle nutzen. Falls ihr also einen alten Kuehlschrank oder eine alte Tiefkuehltruhe entsorgen wollt: Ab nach Kakadu, die sind fuer jede frostige Spende dankbar. *schuettel*

Ich bekam zwar keine einzige Kroete zu Gesicht, habe dafuer aber moerderische Racheplaene an anderen Tieren geschworen: Moskitos. Die Naechte verbrachten wir, wie auch schon bei Uluru, im Freien schlafend in Swags. Doch dieses Mal waren die Swags mit Moskitonetzen ausgestattet. Was natuerlich nur funktioniert, wenn man die Netze an beiden Enden irgendwo befestigen kann, sodass sie nicht auf einem liegen. Was wir natuerlich nicht konnten. Was dazu fuehrte, dass mich diese Mistviecher durch das Moskitonetz, durch meinen Schlafsack und durch meine lange Schlafanzughose hindurch fast zu Tode gestochen haben. Mag zwar sein, dass ich gelegentlich zu geringfuegigen Uebertreibungen neige, aber hier uebertreibe ich leider nicht.

In der ersten Nacht schwirrten so viele Moskitos um mich herum, dass ich kein Auge zudruecken konnte, so laut waren sie. Und trotz Mueckenabwehrmittel, Tropical Strength, mit welchem ich mich mehrere Male taeglich einnebelte und somit eine 250 Gramm-Dose innerhalb von zwei Tagen leerte, haben sie mich aufs Uebelste attackiert. Besonders schlimm war die erste Nacht, in der ich eine Art allergische Reaktion entwickelte. Glaube ich zumindest, es hat hoellisch gejuckt! Ihr koennt euch das gar nicht vorstellen. Bin ja nicht zimperlich, aber da war ich wirklich den Traenen nahe vor Schmerzen.

Das Ergebnis konnte ich erst am naechsten Morgen begutachten und meiner Reisegruppe damit einen kleinen Schock versetzen. Hatte ich mich ueber die 40-50 Mueckenstiche bei Cape Tribulation beschwert? Laecherlich! So viele hatte ich allein an einem meiner Knie! (Siehe Foto. Tut mir leid, kein schoener Anblick, aber sonst glaubt mir das doch keiner!) Manche sahen aus wie Brandblasen. Besonders nett fand ich die Tatsache, dass D., der keinen einzigen Mueckenstich waehrend der ganzen Tour abbekommen hat (Oh, wie ich ihn dafuer hassen koennte!!), meine Beine fotografieren wollte, weil er noch nie jemanden mit so vielen Mueckenstichen gesehen hat. Unser Tourguide uebrigens auch nicht. Yippieh, toll, das freut mich aber, dass ich euch als Zirkusattraktion dienlich sein kann! *vor sarkasmus trief* Und somit wurde mir mein Kakadu-Erlebnis von Hunderten Moskitos ziemlich vermiest, da ich mich ununterbrochen vom Dauerkratzen abhalten musste. Ach ja, in der naechsten Nacht kamen natuerlich noch mehr Mueckenstiche dazu. Die Frage bleibt: Warum ich? Warum nur???

All den Mueckenstichen zum Trotz: The tour must go on. Eine Wanderung durch Kakadu bei Yurmikmik stand auf dem Plan. Zu Beginn des Weges die ueblichen Warnhinweise: Hier gibt es Krokodile, daher von allen Wasserlaeufen fernhalten. Der Park ist gross und man kann leicht verloren gehen, daher unbedingt mit Karte und Kompass losmarschieren. Alleine haette ich wohl kein allzu gutes Gefuehl gehabt, hier heiter durch den Busch zu wandern. Aber ich war ja gluecklicherweise nicht alleine und wir hatten schliesslich unseren Tourguide.

Knapp eine Stunde spaeter: Eine Gruppe von Backpackern steht verloren in den Tiefen Kakadus herum, nachdem sie todesmutig einige brueckenlose Baeche ueberquerten. Sie sind umzingelt von hohen Graesern, da der Wanderweg zugewachsen ist. Doch befinden sie sich tatsaechlich noch auf einem Wanderweg? Der kompetente karten- und kompasslose Tourguide war anderer Meinung und hat daher seine Gruppe alleine in der Wildnis stehen lassen, um nach dem richtigen Weg zu suchen.

Eine Viertelstunde spaeter: Der Tourguide ist immer noch nicht zurueckgekehrt. Die Erkenntnis: Wir sind “Lost”! Nach einer Mini-Umfrage stellt Eva fest, dass die Ueberlebenschancen der Gruppe relativ gering sind, da sich weder ein Arzt noch eine Krankenschwester in ihrer Mitte befindet. Des weiteren gelangt sie zur Erkenntnis, dass sie als Erste dahinscheiden wird. Denn wenn sie etwas von diversen Fernsehserien und Filmen gelernt hat, dann ist es die qualvolle Tatsache, dass immer zuerst die Person, die sich ueber drohende Gefahren lustig macht, stirbt. Karma nennt man das wohl. (Memo an selbst: Mich nicht mehr ueber eventuelle Gefahren lustig machen. Obwohl ich zu meiner Verteidigung sagen muss: Wie gross ist schon die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Tourguide verirrt?)

So leicht lassen sich die Backpacker jedoch nicht unterkriegen und sie machen sich auf den Weg zurueck zum Parkplatz. Zwischendurch immer ihren Tourguide rufend. Nach einer Weile hoeren sie etwas. Oder jemanden? Ist das tatsaechlich der Tourguide? Sie rufen erneut und erhalten Antwort. Ihr Tourguide! Aufgeregt reden sie alle durcheinander - “He’s there!”, “He is in this direction!” – und jeder einzelne von ihnen zeigt in eine andere Richtung. Was ich fuer besonders bewundernswert halte, da es lediglich vier Himmelsrichtungen gibt. Dieser Moment war schwer comedy-verdaechtig und sogar die letzte Backpackerin, der die ganze Zeit ueber ziemlich mulmig zumute war, musste loslachen.

Tatsaechlich fanden wir nach kurzer Zeit zurueck zu unserem Tourguide, der den richtigen Weg schon vor einiger Zeit gefunden hatte, sich aber dachte, dass er lieber auf uns wartet, wir wuerden schon irgendwann auftauchen und ihn suchen, anstatt zu uns zurueckzukommen, da er dann den richtigen Weg eventuell nicht mehr finden wuerde. Nun ja. Ich hielt ja schon vorher nicht besonders viel von unserem Kakadu-Tourguide, aber diese Aktion war natuerlich ein Meisterstueck.

Da wir dadurch einiges an Zeit vertan hatten, konnten wir natuerlich nicht mehr die gesamte Wanderung durchfuehren. Wir stoppten an zwei kleinen Seen inklusive Wasserfaellen, wo man laut unserem Tourguide gefahrlos schwimmen konnte. Da wir jedoch die einzigen Touristen weit und breit waren, ich vor meinem inneren Auge die zahlreichen Krokodilwarnschilder sah und ich kein allzu grosses Vertrauen (Sprich: ueberhaupt keins. Null. Nada.) in unseren Tourguide hatte, verzichtete ich dankend. Von der Gegend, Geschichte, Pflanzen- oder Tierwelt habe ich uebrigens nichts erfahren. Obwohl es sicherlich viel darueber zu sagen gibt. Bisher hatte ich ja immer Glueck gehabt mit meinen Touren. Doch dieser Tourguide war gelinde gesagt ein Griff ins Klo. Schade. Das war also meine wunderschoene Wanderung im Kakadu-Nationalpark.

Fuer viele die Hauptattraktion sind die beruehmtesten Wasserfaelle des Kakadu-Nationalparks, die garantiert in jeder Broschuere und in etlichen Reisefuehrern abgebildet sind: Die Jim Jim Falls und die Twin Falls. Was einem wieder mal keiner verraet: In der Regenzeit, in welcher die Faelle logischerweise am Imposantesten sind, kann der eifrige Wasserfalltourist sie nicht besuchen, da die Strassen bzw. Wege ueberflutet sind. Deswegen handelt es sich bei all den Fotos von den rauschenden Wasserfaellen um Luftaufnahmen. In der Trockenzeit hingegen sollte man relativ problemlos (Fahrzeug mit Allradantrieb vorausgesetzt) dorthin gelangen; jedoch fuehren die Faelle dann eine weitaus geringere Menge an Wasser und sind nicht mehr besonders spektakulaer. Und wenn man wie Eva zu Beginn der Trockenzeit Kakadu besucht, kann es durchaus sein, dass die Strassen immer noch geschlossen sind. Bingo! *schnief* Und so kam es, dass Eva noch nicht einmal die rinnsaligen Jim Jim und Twin Falls zu Gesicht bekam. Tiefe Trauer erfuellte ihr Touristenherz.

Zum Glueck gibt es viele Wasserfaelle in Kakadu und daher kam Plan B zum Einsatz: Ein Besuch der Gunlom Falls. Eine kleinfeinsteile Kletterpartie nach oben und schon waren wir da! Es gibt dort verschiedene Ebenen und kleine krokodilfreie Seen (= Rock Pools), in denen man schwimmen kann. Wir arbeiteten uns von dem obersten See zum untersten durch. (Und nein, wir nahmen nicht die offensichtliche Abkuerzung entlang der Wasserfallrutschen. Die sind ein bisschen hoch und ein ganz klein wenig gefaehrlich. Ein ganz klein wenig. Und mit “ein ganz klein wenig” meine ich natuerlich “lebensgefaehrlich”.) Wunderschoene Schwimmgelegenheiten, ausserdem eine tolle Aussicht auf die Umgebung. Das Highlight: Wir schwammen im obersten Rock Pool zu einem versteckten Wasserfall. Der Weg dorthin ist mit kleinen Kletterpartien gespickt. Meerjungfrauengleich kletterte ich mit der Grazie eines Seeelefanten ueber im Wasser liegende, rutschige Felsen. (Die Meerjungfrau und der Seeelefant – drei “e”s hintereinander in einem Wort, ich finde das immer noch seltsam – scheinen sich nur zu widersprechen. Es ist durchaus moeglich dies zu bewerkstelligen!) Am Ziel angekommen konnte ich mir vom Wasserfall meinen Ruecken massieren lassen und bedeutungsschwere Konversationen fuehren. *mich an eine besonders interessante unterhaltung erinner*

Eva: “I like it here.” – A.: “WHAT??” – Eva: “I LIKE IT HEEEERE!!” – A. zu S.: “WHAT DID SHE SAY?” – S.: “PARDON ME?” – A.: “WHAT???” (Und die Moral von der Geschicht: Wasserfaelle sind laut. Glaubt es oder glaubt es nicht. Ich sagte: GLAUBT ES ODER GLAUBT ES NIIIIIIIIICHT!!)

Das war dann auch schon das Ende meines kleinen Kakadu-Ausfluges und wir machten uns in unserem unbequemen Autochen auf den Weg zurueck nach Darwin. Ueber meine Zeit in Darwin werde ich keinen eigenen Beitrag verfassen, da es nicht besonders viel darueber zu erzaehlen gibt. Im Schnelldurchlauf: Meine Tourgruppe Alice Springs-Darwin feierte gemeinsam mit meiner Kakadu-Tourgruppe Abschied in einem Nachtclub. Wir waren ueber 30 Leute und hatten viel Spass. Ich erkundete Darwin zu Fuss und muss sagen, dass das Gebaeude des dortigen Parlamentes an sich nicht nur huebsch anzusehen ist, sondern dass die Parlamentarier ebenfalls eine tolle Aussicht (Meerblick) haben. Schwimmen im Meer ist uebrigens suizidal, da dies unzaehlige Krokodile zu ihrem Revier erklaert haben. Ach ja, schoen warm war es die ganze Zeit. Und somit genoss ich in Darwin die letzten waermenden Sonnenstrahlen, bevor mich mein Weg in den Winter fuehrte.

Eva unterwegs im Outback

Foto: Eingang zur Damentoilette in Wycliffe Well

Australien ist riesig, das Northern Territory recht gross. (Ungefaehr die Flaeche von Frankreich, Italien und Spanien zusammengefasst.) Dennoch gibt es im gesamten Territory nur knapp ueber 200.000 Einwohner, was ganz einfach dadurch erklaeren ist, dass hier das Herz des australischen Outbacks zu finden ist. Die meisten Einwohner leben in den Staedten, was die Reise entlang des Stuart Highways zu einem wahren, einoedigen Erlebnis werden laesst.

So sah ich nicht nur den groessten Raubvogel Australiens (Wedge-tailed Eagle, Fluegelspannweite bis zu 2,5 Meter), sondern auch wilde Kamele, Kaengurus, Emus und Wildpferde. Vorsicht ist geboten bei Rastplaetzen, die mit Sitzgelegenheiten ausgestattet sind. Schaut lieber einmal unter den Tischen und Baenken nach, ob da nicht ein paar Redback-Spinnen wohnen. Wir haben gleich zweimal welche gefunden. Redback-Spiders sind giftig und koennen einem eine kleine Rastpause ganz schoen vermiesen. Auch wenn sie laut Meinung der meisten Australier "not really poisonous" sind. Meiner Erfahrung nach sind die Australier in dieser Hinsicht allerdings nicht sehr zuverlaessig, schliesslich wurde mir auch mitgeteilt, dass Salzwasserkrokodile oder Box Jellyfish "not really dangerous" sind. Und das soll ich glauben? Not really!

Die obligatorischen Tankstopps unterwegs erfolgten in winzigen Orten, die es bei uns nicht einmal auf die Landkarte schaffen wuerden, hier jedoch in Riesenlettern auf jeder Karte zu finden sind. Meist bestehen diese Orte lediglich aus einem Rasthaus inklusive Tankstelle. So etwa Barrow Creek. Hier ereignete sich in den 1920ern ein unmenschliches Massaker an ueber 70 Aboriginees. Darueber erfaehrt man in Barrow Creek selbst allerdings nichts, man kann lediglich die Grabstaetten zweier Telegraphenstation-Arbeiter, die aus Rache von den Aboriginees ermordert worden sind, besichtigen. Ausserdem kam es hier vor ein paar Jahren, 2001, zu einer Entfuehrung eines britischen Paerchens. Sie entkam, die Leiche ihres Freundes wurde jedoch nie gefunden. (Mehr Infos hier.) Welch kuschelig-gemuetliches Oertchen, da fuehlt man sich doch gleich pudelwohl!

Da entspricht Wycliffe Well doch viel mehr meinem Geschmack. Wie, ihr habt noch nie etwas von Wycliffe Well gehoert? Sakrileg! Ich wette, Mulder und Scully wissen dafuer bestens Bescheid. Wycliffe Well ist schliesslich die UFO-Hauptstadt Australiens! Ich habe vergebens versucht nach Hause zu telefonieren, aber dank meiner paranormalen Faehigkeiten war ich in der Lage mit einigen der Aliens zu kommunizieren. Sie teilten mir mit, dass ich mich auf einer spirituellen Selbstfindungsreise befaende und dass es meine Aufgabe sei, die Welt davon zu ueberzeugen, dass die oertlichen UFO-Sichtungen in keinerlei Zusammenhang mit der Tatsache, dass Wycliffe Well mit dem hoechsten Liter-Bier-pro-Kopf-Verbrauch im Northern Territory aufwarten kann, zu tun hat. Also, Welt, jetzt weisst dus!

Wenn wir schon einmal beim Thema Bier sind: Es scheint eine aussergewoehntlich grosse Rolle in diesem Teil Australiens zu spielen. Dies ist schon an der Groesse der hiesigen Bierflaschen (2 Liter, das sog. "Northern Territory Stubby") zu erkennen. Oder an der Entstehungsgeschichte des Ortes Tennant Creek. Urspruenglich befand sich Tennant Creek ein paar Kilometer von seinem jetzigen Standpunkt entfernt. Doch dann geschah das Unfassbare: Der Truck mit der Bierlieferung fuer dieses Staedtchen hatte eine Panne, kurz bevor er sein Ziel erreicht hat. Gemaess dem Motto: "Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt eben der Berg zum Propheten", ist ganz Tennant Creek umgezogen. Wenn der Bier-Truck nicht nach Tennant Creek kommt, kommt eben Tennant Creek zum Bier-Truck! (Ich finde diese Geschichte ja schockierend, meine maennlichen Mitreisenden waren jedoch anderer Meinung und haben Tennant Creek heilig gesprochen. Typisch Mann.) (Uebrigens: Sogar der rosarote Panther, der hier im Outback wohnt, hat es sich mit einer 2-Liter-Bierflasche gemuetlich gemacht. Typisch rosaroter Panther.)

Bier ist mir ganz egal, viel wichtiger war mir meine Selbstfindungsreise. Und wo kann man diese Reise besser beginnen als auf einer Rinderzuchtfarm? Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Dieses Land ist gigantisch, dementsprechend sind auch die Rinderzuchtfarmen ein klein wenig groesser als bei uns daheim. Ich habe eine Nacht in Banka Banka verbracht - eine Farm in der Groesse Jamaicas. Farmen in der Groessenordnung von Belgien sind keine Seltenheit. In Banka Banka habe ich mich ausserdem davon ueberzeugen koennen, dass es doch einige Frauen gibt. Von Frauenmangel war zumindest hier nichts zu sehen. Jedoch gelangte ich auch zu keinem Ergebnis, was meinen Selbstfindungsprozess betraf.

Verzweifelt setzte ich meine Reise fort. Warum muss ich mich selbst finden? Sollte ich mich als vermisst melden? Und wie kann ich mich ueberhaupt selbst finden? Warum nur haben die Aliens keine Experimente mit mir durchgefuehrt oder mich zumindest mal einen klitzekleinen Blick auf ihr UFO werfen lassen? Habe ich das Ganze etwa nur getraeumt?

Nein, das habe ich nicht. Dies wurde mir schlagartig klar, als ich den weltberuehmten, sagenumwobenen Stuart Tree (ein Baum, in den angeblich Johnny hoechstpersoenlich seine Initialien reingeritzt haben soll) mit eigenen Augen sah! Ich war derart geblendet von seiner Schoenheit und seiner imposanten Gestalt, dass ich es nicht wagte, ein Foto dieses Aura-Hot-Spots zu schiessen! Ich fuehlte, dass ich meinem Ziel nahe war.

Und tatsaechlich dauerte es nicht lange und ich fand mich in Daly Waters wieder. Dieser Ort hat nur knapp 20 Einwohner, der Lebensmittelpunkt ist - wie sollte es auch anders sein - das lokale Pub Schraegstrich Campingplatzvermietung Schraegstrich Postamt Schraegstrich alles andere. Als ich jedoch einen Mann mit einer Holzhuette auf dem Kopf die Strasse ueberqueren sah, wusste ich: Das ist das ultimative Ziel meiner Reise! Unbedingt ansehen! Und falls ihr dort seid, koennt ihr im Pub ganz viele Leute finden. Mit etwas Geduld auch mich. Oder euch selbst. Letzteres allerdings nur, wenn ihr schon einmal dort wart. Und selbst dann koennt ihr euch nur im Pub unter einer einzigen Voraussetzung finden. (Orakel Eva hat gesprochen.) Was ihr auf alle Faelle dort erledigen solltet, ist eine Runde Bowling spielen. Dies spielt man auf der Strasse vor dem Pub. Und ich hatte tatsaechlich einen Strike, der mich zur Gewinnerin machte!! Yeah!! Natuerlich verdankte ich dies allein meinem Koennen und meiner erstklassigen Hand-Augen-Koordination, da ich natuerlich absichtlich die Kugel nach links geworfen habe, weit aus der Bahn hinaus, mich alle anderen schon mitleidig be-"ooooh"ten, dann die Kugel jedoch - wie praezise von mir erkannt und berechnet - dank einer Kruemmung in der Strasse genau die goldene Mitte traf. Hach. Welch suesser Triumph!

Zufrieden, meine Selbstfindungsphase derart zuegig abgeschlossen zu haben, relaxte ich in den Thermalquellen von Mataranka und besuchte den Nachbau des Hauses von Jeannie Gunns beruehmter autobiographischer Erzaehlung "We of the Never-Never" und erledigte eine Wanderung im Nitmiluk-Nationalpark, wo ich Katherine Gorge besuchte. Sehr huebsch anzusehen. Dennoch fand ich das Pub in Adelaide River spannender, handelt es sich hierbei doch um das Zuhause des wahren Stars meiner heiss geliebten "Crocodile Dundee"-Filme: Charlie, the Buffalo! Leider weilt Charlie nicht mehr unter uns, aber wie kann man einem tierischen Filmstar besser unseren Respekt und ewige Ehre erweisen, als ihn auszustopfen und neben einer Bar aufzustellen? Wo aber sind nur unsere anderen tierischen Freunde, all die Lassies und Flippers dieser Welt? Hat man diese etwa nicht fuer die Ewigkeit bewahrt? Sind wir Menschen tatsaechlich derart gleichgueltig mit deren Ueberresten vorgegangen? Das kann nicht sein. Oder doch?

Mit meinem Besuch in Adelaide River war meine Reise durch das Outback auch schon fast beendet. Was ich noch erwaehnen sollte: Unterwegs bin ich ganz vielen Roadtrains begegnet. Bei einem Roadtrain (= "Strassenzug") handelt es sich um einen riesigen LKW, der bis zu 53,50 Meter lang und 132 Tonnen schwer sein kann. Bremsweg: 1 bis 1,5 Kilometer. Eigentlich sollte man als Autofahrer am Besten anhalten, wenn einem ein solcher Gigant entgegenkommt, und Ueberholen natuerlich nur, wenn man mehrere Kilometer freie Sicht hat. Doch laut unserer Fahrerin handelt es sich dabei lediglich um eine mehr als laestige Empfehlung, es ist "not really necessary", was zu mindestens einem besonders spannenden Moment gefuehrt hat. Mein Endziel: Darwin, Hauptstadt des Northern Territorys. Endstation meiner Australienreise. Well, not really...

Donnerstag, Juni 21, 2007

Eva bei den Devils Marbles



















Die Teufelsmurmeln sind eine Steinchenansammlung, die ebenfalls im Northern Territory irgendwo zwischen Alice Springs und Darwin zu finden ist. Von roetlicher Farbe, das ist im Outback schliesslich der trendige Look schlechthin. Skurril, bizarr, murmelartige Felsen neben- und uebereinander gestapelt - genau mein Geschmack. In der Tat einer meiner absoluten Lieblingsorte in Australien. Nicht nur wegen der vielen Fotomoeglichkeiten, wie etwa Eva als Indiana Jones, wie sie vor einer riesigen Steinkugel weglaeuft. (Obwohl einzigartige Fotomotive immer gut sind!) Man darf hier tatsaechlich nach Herzenslust klettern und die Landschaft erkunden. Eigentlich handelt es sich bei den Devils Marbles meiner Meinung nach um einen ueberdimensionalen Abenteuerspielplatz in der Wueste. Prima, endlich mal wieder auf einem Spielplatz herumtoben zu duerfen! ("Embrace your inner child", wie es so schoen im Englischen heisst. Und glaubt mir, mein inner child hatte hier ausgiebig Gelegenheit zum Spielen.)

Ich habe eine tolle Leseecke gefunden, siehe Foto, (He, das Buch in meinen Haenden faellt einem doch als Allererstes ins Auge!! Was seid ihr nur fuer Augenzeugen...) und damit mal wieder bestaetigt, dass sich Leseratte Eva wirklich ueberall mit einem Buch gemuetlich niederlassen kann. Leider war die Zeit, die mir hier vergoennt war, viel zu kurz. Ich haette problemlos noch ein paar Stunden laenger bleiben koennen.

Verantwortlich fuer dieses Kunstwerk der Natur ist mal wieder die gute, alte Erosion. Fuer die Aboriginees ist dies ebenfalls ein besonderer Ort, den sie unter den Namen Karlwekarlwe bzw. Karlu Karlu (= runde Objekte) kennen. Hier fanden viele wichtige Ereignisse waehrend der Dreamtime statt. Jedoch gilt fuer uns Nicht-Aboriginees leider: Wir wissen fast nichts darueber. Ich habe lediglich erfahren, dass die Aboriginees glauben, dass unter und zwischen den Felsen kleine Leute leben, die mit den Aboriginee-Kindern spielen. Manche Kinder haben aber nach dem Spielen nie den Weg zurueck gefunden, weil sie ihre Lieder vergessen haben, und sind in dieser Landschaft verloren gegangen. Dies ist eine Geschichte mit Moral: Aboriginees ueberliefern all ihr Wissen muendlich, sie kennen keine Schrift. Lieder sind ein beliebtes Mittel der Ueberlieferung und dienen oft als eine Art vertonte Karte, in deren Strophen der Weg zu einem bestimmten Ort (etwa einer Wasserquelle) beschrieben wird. Vergisst man die Lieder oder auch nur einige Strophen, findet man logischerweise den Weg nicht mehr. Manche Lieder werden wochenlang gesungen. Es ist fuer Aboriginee-Kinder also ueberlebenswichtig gewesen diese Lieder zu lernen, auch wenn sie eigentlich lieber spielen wollten.

Diese Geschichte bestaetigt weiterhin meine Devils Marbles-Abenteuerspielplatztheorie und hat mich ein wenig an “Ronja Raeubertochter” erinnert. Der Ausflug zu den Devils Marbles war damit fuer mich ein Ausflug zurueck in meine Kindheit. Gefiel mir gut, darum gehe ich jetzt eine Sandburg bauen. (Ich stehe wenigstens zu meinem Spieltrieb.) Tschuehuess!! *winke winke*

Mittwoch, Juni 20, 2007

Eva bei Kata Tjuta

Foto: 3 der 36 Felsen von Kata Tjuta

Offiziell lautet der Name des Nationalparkes, den ich besucht habe, Uluru-Kata Tjuta-Nationalpark. Von meinem Uluru-Trip habt ihr beim letzten Mal erfahren, darum widme ich nun Kata Tjuta. (Hach, ich liebe es, chronologisch vorzugehen!) Kata Tjuta bedeutet ungefaehr “viele Koepfe” und so sieht es auch aus. Es handelt sich dabei um grosse, roetliche Felsen, meist rundlich dank jahrhundertelanger Erosion. Auch hier gilt: Nur die aeusserste Gesteinsschicht ist rot, Rosterscheinungen. Der hoechste Felsen ist ueber 560 Meter hoch. Wie der knapp 30 km entfernte Uluru wurde auch Kata Tjuta einst mit einem englischen Namen versehen: The Olgas. (Warum muss ich dabei immer nur an das bulgarische Frauenschwergewichtsteam denken??) Wenn ihr also jemanden von den Olgas reden hoert, wisst ihr, dass Kata Tjuta gemeint ist.

Kata Tjuta war mir von Anfang an sehr sympathisch. Als ich die Koepfe zum ersten Mal sah, daemmerte es gerade und wir befanden uns auf einer Strasse, Kata Tjuta direkt vor uns im Blickfeld. Unser Tourguide machte uns darauf aufmerksam, dass viele glauben, dass aus diesem Winkel Kata Tjuta wie ein liegender Homer Simpson aussieht. Und es stimmt!! Homer, Kopf rechts auf einem Kopfkissen gebettet, seine Fuesse am linken Ende. Nur der seltsam geformte Bauch war fuer unseren Tourguide unerklaerlich. Schnell hatte ich eine Loesung parat: Es handelt sich dabei um einen Donut, der auf Homers Bauch liegt. Dies wurde von den restlichen Tourteilnehmern problemlos anerkannt und der Tourguide versprach, von nun an diese Erklaerung zu liefern. Sieg, Siiiiieg!! Falls also jemand von euch mal Kata Tjuta besuchen geht und von Homer Simpson inklusive Donut auf dem Bauch hoert, wisst ihr, wem ihr den Donut zu verdanken habt. Bin richtig stolz auf meine fundamentale Hinterlassenschaft fuer den Rest der touristischen Menschheit. Darum: Verbreitet die Donut-Bauch-Theorie, um mir zu unsterblichem Ruhm zu verhelfen! *mich in gedanken schon den touristen-nobelpreis in empfang nehmen sehe*

Kata Tjuta ist nicht nur interessant anzuschauen, sondern ebenfalls eine wichtige Aboriginee-Staette, tatsaechlich sogar heiliger als Uluru. Wir wissen jedoch so gut wie nichts ueber diesen Ort. Lediglich, dass er nur fuer Maenner zugaenglich und ein Ort der Gesetzgebung und des Jagens ist.

Es ist naemlich so: Es gibt hunderte von Entstehungsgeschichten ueber Uluru und andere Aboriginee-Orte, wir bekommen – falls ueberhaupt – jedoch nur die Kinderversion zu hoeren. Erst wenn man all die Kindergeschichten fehlerfrei beherrscht, kann man zur naechsthoeheren Stufe aufsteigen. Dies allerdings auch nur, wenn einen ein Aboriginee einweiht. Selbst falls dies der Fall sein sollte, darf man das Wissen nicht weitergeben und ist zu lebenslangem Stillschweigen verschwiegen. Wir wissen zwar relativ ueber Uluru, tatsaechlich ist dies sogar der Ort, ueber den wir Nicht-Aboriginees am meisten wissen. Dennoch handelt es sich dabei nur um einen winzigen Bruchteil des Gesamtbildes. Faszinierend.

Bei den Kata Tjuta-Felsen begaben wir uns auf den sogenannten “Valley of the Winds”-Wanderweg, 7.4 km. Teilweise wieder mit Kletteraktionen versehen, aber toll. Auch hier gilt: Ein Fliegennetz auf dem Kopf leistet wunderbare Dienste. Waehrend unserer Wanderung erfuhren wir mehr ueber “Bush Tucker” – Essen, das die Aboriginees im Busch finden. Unglaublich, dass eine derart karge Landschaft so nahrungsreich sein kann. Ausserdem lernten wir ein bisschen etwas ueber die Jagdtechniken von Aboriginees. So fluestern sie, anders als wir, beim Einatmen und nicht beim Ausatmen, um die potenzielle Beute (Kaengurus und Co.) nicht mit den Schallwellen zu verscheuchen. Versucht es mal, ist gar nicht so einfach. Los, versuchen!! Auf der Stelle!!

Ausserdem koennen Aboriginees zeitgleich sprechen als auch in einer Zeichensprache miteinander kommunizieren, also zwei verschiedene Unterhaltungen zur selben Zeit fuehren. Ich stelle mir das ganz schoen knifflig vor. (Soviel zur Theorie, dass Maenner nicht multitasking-faehig seien.) Dann sahen wir noch einen farbenfrohen Grashuepfer, der mit vielen bunten Punkten versehen war und der die Aboriginees wohl zu ihrer Punkt-Maltechnik inspiriert hat. Sowie – mit etwas Fantasie – einen riesigen, steinernen Elefanten, der in einem der Felsen wohnt. Beeindruckender Ruessel. Das war dann auch schon das Ende unserer kleinen Wanderung und wir verabschiedeten uns von diesen ueberwaeltigenden Felsformationen.

Dienstag, Juni 19, 2007

Eva und Uluru, auch bekannt als Ayers Rock

Foto: Juhu, Uluru!

"Ich und Du, Uluru" – Ein Auszug aus dem Drehbuch, das nie verfilmt wird, da es wirklich geschah und schon laengst vorbei ist

Darsteller:
Uluru als Ayers Rock (Kuenstlername = The Rock)
Eva als Eva in Australia (= The Eva)
Hunderte von Touristen (= The Tourists)
Hunderte von Fliegen (= The annoying things)

Szene 14 - Uluru, wo bist du?
Outback, Northern Territory, Australien. Eva sitzt in einem Bus, der auf einer staubigen Strasse Richtung Uluru-Kata Tjuta-Nationalpark entlang faehrt. Fensterplatz. Erwartungsvoll blickt sie in die Weite, ihren Kopf auf ihre Hand gestuetzt. Blick nach links.

Eva, ueberrascht, ueberwaeltigt, quietschend:
“Da isser ja!!”, hektisch auf einen roten Felsen links von ihr deutend.

Nahaufnahme von Evas Gesicht, welches unglaeubig dreinschaut, als ihr und den anderen Passagieren mitgeteilt wird, dass es sich dabei nicht um Uluru, sondern um Mount Conner, bekannt als “Fuluru” (= falscher Uluru), handelt, auf den seit Generationen Ayers Rock-Touristen reinfallen.

Monolog Eva:
“Wieso nur habe ich noch nie zuvor etwas von Mount Conner gehoert? Er ist doch ziemlich gross! Und wie konnte ich ihn nur mit Uluru verwechseln? Gut, sie sehen sich schon verdammt aehnlich. Wie kann das nur sein, dass in dieser Gegend gleich zwei derartig imposante Steinformationen exisitieren, man aber nur etwas von einer hoert, sieht und liest?” Melodramatischer, verweifelter Seufzer: “Uluru, wo bist du?” SCHNITT!

Szene 15 – Ayers Rock, anyone?
Wie zuvor: Eva im Bus im Outback. Doch dieses Mal, wieder links von ihr, der wahre und echte rote Touristenmagnet: ULURU. Gross und maechtig. 348 Meter hoch. Staunendes Schweigen von Eva and the rest of the tourists im Bus. Nur das Summen diverser Fotoapparate und eine miauende Katze sind zu hoeren. SCHNITT!

Szene 16 – Sonnenuntergang, die erste
Ein internationales, aufgeregtes und froehlich tratschendes Trueppchen von Backpackern beobachtet den Sonnenuntergang. Mittendrin: Eva als representative of Germany. Tatsaechlich wird der Sonnenuntergang kaum gewuerdigt, da die Sonne auf der einen Seite untergeht und Uluru auf der anderen Seite alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Schnell kristallisiert sich die French-Italian-German-Swedish-Connection heraus, deren Mitglieder ihre Fotoapparate heiss laufen lassen: Dutzende Fotos von Uluru und den Backpackern, wie sie diesen Felsen “halten”, auf ihn deuten und davor in die Luft springen werden geschossen. Zwei aeltere Paerchen betrachten kopfschuettelnd dieses Treiben voller Staunen. Und immer wieder miaut eine Katze. SCHNITT!

Szene 19 – Schlafen im Swag
Aehm…ja, das Drehbuch endet hier aufgrund unerwarteter Laengen. Daher im Nicht-Drehbuch-Stil eine Zusammenfassung von Eva:

Ein Swag, wie soll man das beschreiben? Es handelt sich dabei um eine Schaumstoffmatratze, die in einer Art Schlafsack aus Zeltstoff eingebaut ist. Man schlaeft also mit seinem eigenen Schlafsack im Swag. Geniale Erfindung, wasserdicht, einfach zu handhaben. Vor allen Dingen hat man freie Aussicht auf den Sternenhimmel, der im Outback ueberwaeltigend ist. Ergo: Eva moechte ab sofort im Freien immer in einem Swag schlafen! *swag heimlich in meinen Rucksack packe*

Allerdings haben hier einige Backpacker wieder die harte Lektion lernen muessen, dass es nachts in der Wueste tatsaechlich kalt werden kann. Wir hatten beispielsweise kuschelige 7 Grad. Dank meines warmen Schlafsackes und dem Swag kein Problem. Einige meiner Mitreisenden hatten allerdings nur einen duennen Sommerschlafsack und haben bitterlich gefroren, die Armen. Da half auch das Lagerfeuer nicht viel weiter.

Geschlafen haben wir sowieso nicht viel, da wir zweimal mitten in der Nacht aufgestanden sind, um den Sonnenaufgang anzusehen. Leider war ich zur falschen Jahreszeit da, sodass die Sonne nie hinter Uluru, sondern in einiger Entfernung auf- und unterging. Dennoch schoen und sehenswert. Das Farbenspiel ist wirklich beeindruckend, Uluru erscheint in den verschiedensten Rottoenen. Ich kam schnell auf die geniale Idee, so ca. alle eineinhalb Minuten ein Foto zu schiessen, um die Farbveraenderung festzuhalten. Was dazu fuehrte, dass ich nun tatsaechlich mehr Fotos von Uluru als vom Opernhaus habe (wie konnte das nur passieren?!) und ich innerhalb von fuenf Tagen ueber 500 Bilder gemacht habe.

Zu viele? Suechtig?! Ich denke nicht. Und nein, ich habe kein Fotografierproblem. Ich doch nicht.

(Blick in die Zukunft: Eva sichtet in gut zwei Monaten all ihre Fotos, rauft verzweifelt ihre Haare, jammert “Warum nur, warum?!”, umklammert ihren Fotoapparat und beschimpft ihre Speicherkarten Ernie, Bert und Kermit, bevor sie einen hysterischen Lachanfall erleidet und von Maennern in einer weissen Jacke in die Fotoentzugsklinik abgefuehrt wird.)

Zurueck zur eigentlichen Geschichte. (Nur am Rande sei erwaehnt, dass ich noch viel mehr Fotos haette schiessen koennen, aber das Fotografieren an heiligen Staetten der Aboriginees strikt untersagt war, weswegen ich “nur” auf die ca. 100 Fotos pro Tag-Quote komme.) Unsere Tourgruppe hatte gleich zwei Tourguides, was hervorragend war, da ich wirklich sehr viel ueber Uluru und die Kultur der Aboriginees gelernt habe. Wir haben u.a. eine Aboriginee-Kuechenhoehle besichtigt und ein schwarzes Brett der Aboriginees. Ich habe erfahren, dass Aboriginees in ihren Felsmalereien meist nicht das eigentliche Tier, sondern die Spuren, die es im Sand hinterlaesst, zeichnen. Was zu einiger Verwirrung fuehrte, als Aboriginees das erste Mal mit Schildern mit Pfeilen darauf in Kontakt kamen, da sie genau in die entgegengesetzte Richtung liefen und nicht in die Richtung, in die der Pfeil deutete. Des Raetsels Loesung: Der Fussabdruck eines Emus sieht aus wie ein Pfeil, der nach unten deutet. Um das Emu zu finden, muessen sie allerdings logischerweise in die Richtung laufen, in die das Emu gelaufen ist. Und dies ist nun mal genau entgegengesetzt zu der Richtung, in die der Emu-“Pfeil” deutet. (Vielleicht veranschauliche ich das spaeter noch mal, da es einfacher zu verstehen ist, wenn man ein Bild davon sieht. Allerdings setze ich unendliches Vertrauen in meine kleine, aber feine Leserschaft, die bestimmt versteht, was ich meine. Tut ihr doch. Oder? ODER?? *droh* Wusst ichs doch. *zufrieden zuruecklehn*)

Auf den Monolithen selbst bin ich uebrigens nicht geklettert, dafuer einmal drumherum gelaufen (etwa 10 km). Aus der Naehe betrachtet ist er recht schuppig, zerklueftet und loechrig. Welche Farbe hat er uebrigens? Na? Rot? Falsch. Er ist eigentlich grau. Die rote Farbe ist lediglich Rost. Man vermutet, dass der fuer uns sichtbare Teil nur die Spitze des Eisberges ist und Uluru noch bis zu 6 Kilometer tief in die Erde hineinreicht. (Ja, ja, Uluru ist kein Eisberg, ich weiss, das ist doch nur ein Vergleich!) Mit etwas Fantasie kann man viele lustige Sachen im Felsen entdecken, etwa Mick Jaggers Lippen, einen riesigen Loewenkopf, einen Hundewelpen oder auch Darth Vader.

Besonders informativ und beeindruckend fand ich den Besuch im Aboriginee-Cultural Center. Dort ist das “Sorry-Book” zu finden: Briefe von Leuten aus aller Welt, die sich dafuer entschuldigen, dass sie auf Ayers Rock geklettert sind. Die Aboriginees bitten indringlich darum, dies zu unterlassen, da das Erklimmen des Felsens fuer sie ein hoechst heiliger und zeremonieller Akt ist, den nur etwa zwei Aboriginee-Maenner pro Jahr durchfuehren. Mal abgesehen davon, dass “The Climb’ (= der Weg hoch auf den Felsen) verdammt steil und gefaehrlich ist, bei heftigem Wind geschlossen wird und schon viele Verletzte und gar Todesopfer gefordert hat. Manche Briefeschreiber senden auch Steinchen zurueck, die sie als Souvenir haben mitgehen lassen. Ebenfalls nicht gerne gesehen von den Aboriginees.

Ausserdem habe ich zum allerersten Mal im Cultural Center erfahren, dass der Pachtvertrag, der 1985 zwischen dem Anangu-Stamm der Aboriginees, die traditionellen Eigentuemer von Uluru, und der australischen Regierung abgeschlossen wurde, nur fuer 99 Jahre gilt. Was danach aus diesem Nationalpark wird, ob er immer noch fuer Touristen oder Nicht-Aboriginees zugaenglich sein wird, ist ungewiss. Mein Tipp: Daher schnell Uluru ansehen gehen, solange ihr es noch problemlos koennt!

Wenn ich schon mal bei Tipps bin, der ultimative Fashion-Tipp fuer euren Uluru-Besuch: Ein modisches Fliegen-Kopfnetz, welches sowohl ueber als auch unter einem Hut tragbar ist. Ihr werdet es brauchen, glaubt mir.

Und was habt ihr dank meines heutigen Beitrages gelernt? Richtig, manche Kameras koennen miauen. Leider ist mein Fotoapparat nicht mit dieser aeusserst nuetzlichen Funktion ausgestattet. Dann eben mein naechster. (Mich im Geiste schon Kameraverkaeufer in die Verzweiflung treiben sehe: “Mal abgesehen von den Megapixeln und dem ganzen unnuetzen technischen Kram, kann diese Kamera denn auch miauen?”) Abschliessend bleibt nur zu sagen: Uluru ist auf alle Faelle einen Besuch wert, allerdings ist dieser ohne all die Hintergrundinfos, die ein Tourguide liefert, absolut wertlos. Finde ich zumindest.

Dienstag, Juni 05, 2007

Eva im und am Kings Canyon

Foto: Blick auf die "Lost City" im Kings Canyon

Der Watarrka Nationalpark, in dem sich der nicht ganz so bekannte Kings Canyon befindet, liegt ungefaehr auf halber Wegstrecke zwischen Alice Springs und Uluru (=Ayers Rock, ihr wisst schon, dieser rote Stein, den sich jeder Australientourist, der etwas auf sich haelt, in natura anschauen muss). Deshalb ist Kings Canyon eigentlich bei jeder Uluru-Tour inklusive. Voellig zu Recht! Ich bin ja der Meinung, wer den weiten Weg zum Uluru macht und dabei Kings Canyon links liegen laesst, muss bestraft werden. Obwohl natuerlich die hoechste Strafe ist, dass diese Monolith-Touristen nie Kings Canyon zu Gesicht bekommen werden. *philosophisch werd*

Der Canyon ist recht alt, ca. 440 Millionen Jahre. Rote Sandsteinformationen, die sich bis zu 270 Meter hoch stapeln. Doch viel wichtiger: Wunderwunderwunderschoen! Kings Canyon ist damit problemlos auf Platz 2 meiner Canyon-Favoritenliste gelandet. (Ja, natuerlich habe ich eine Canyon-Favoritenliste! Ihr etwa nicht?) Platz 1 ist und bleibt fuer mich immer noch der Grand Canyon, aber Bryce Canyon muss sich nun leider mit dem 3. Platz begnuegen. Dabei war mein erster Eindruck vom Kings Canyon eher: "Naja, so doll ist er ja nicht." (Zu Beginn der Wanderung, als ich vor der Felswand stand.) Gefolgt von: "Warum nur, warum? WARUM?!?" (Dies war waehrend des ersten Teils der Wanderung, da man gleich zu Beginn fast senkrecht die Felswand am mit dem vielversprechenden Namen versehenen "Heartattack Hill" hinaufkraxeln muss. Glaubt mir, nicht umsonst traegt er diesen Namen. Mein einziger Trost war, dass unsere Tourguides ebenfalls heftig schnauften. Moerderisch! In der Sommerhitze - ich war gluecklicherweise in der Herbstwaerme unterwegs - muss diese Wanderung ja einem Selbstmord gleichkommen!) Als ich dann endlich oben angekommen war: "Wow!"

Sobald man oben ist, hat man den schlimmsten Teil des Weges hinter sich und der Wanderweg fuehrt einen am Rand der Schlucht entlang. Wieder einmal habe ich viel erfahren, Meeresfossilien in den Felsen sehen koennen (Zentralaustralien war so ziemlich alles einmal, so natuerlich auch ein Ozean), Ueberreste tropischer Pflanzen (Zentralaustralien war auch einmal ein Regenwald) und den ueblichen Plueschkoala im Gumtree entdecken koennen. Ausserdem den Schwammeffekt des Gesteins selbst ueberpruefen koennen. (Einmal kraeftig spucken, bitte.) Die Landschaft ist aeusserst abwechslungsreich und ich fuehlte mich wie auf einem anderen Planeten, als ich durch den als "Lost City" bekannten Teil lief. Dann gaebe es noch den "Garden of Eden", ein tropisches Paradies voller gruener Pflanzen, Voegel und Teich inmitten der hohen Felswaende sowie bienenstockfoermige Formationen und vieles mehr.

Da ich drei gleichgesinnte Mitreisende und bekennende Kings Canyon-Fans hatte, fielen wir gemeinsam schnell ans Ende unserer Gruppe, legten massig Foto- und "Ah, schau mal, wie toll!"-Bewunderungstopps ein und schafften es, dass unsere Wanderung knapp 50 Minuten laenger dauerte als geplant. Im Gegensatz zu anderen Touren konnten wir uns aber auch Zeit lassen, wofuer ich immer noch sehr dankbar bin. Die Fotos werden diesem Naturwunder mal wieder nicht annaehernd gerecht und der Abschied fiel uns schwer. Mein Gesamteindruck: "Fantastisch! Da will ich unbedingt noch mal hin!" Kings Canyon ist somit definitiv eines der Highlights meiner Australienreise.