Mittwoch, Oktober 18, 2006

Eva in Melbourne


Foto: Skyline von Melbourne

Melbourne ist die Hauptstadt von …? Richtig, Victoria. Noch eine Quizfrage: Wer hat Melbourne gegruendet? Na?! Es war – Batman! John Batman, um genau zu sein. Also nicht Robins Freund im schwarzen Leibchen. Klingt aber eindeutig besser, wenn man den Vornamen weglaesst und sagt “Batman hat Melbourne gegruendet”. (He, das ist eine wirklich nuetzliche Info fuer all die “Wer wird Millionaer”-Kandidaten unter euch, ihr werdet mir noch dankbar sein! Ach ja, im Falle des Falles will ich die Haelfte eures Gewinns. *gg*)

Zur Erinnerung: den Wochenendausflug nach Melbourne hatte ich ja bei einem australischen Backpackermagazin gewonnen. (Fuer M.: Und entgegen anders lautenden Anschuldigungen wird meine Gewinnspielmanie nicht im reihenweisen Konkurs von Reiseunternehmen und dem endgueltigen Untergang der Tourismusbranche resultieren! Obwohl das durchaus seinen Reiz haette…)

D. und ich flogen mit Jetstar, der Billigairline von Qantas, am Freitagabend nach Melbourne. Unser Ziel: Avalon Airport. Ein Flughafen ca. 55 km von Melbourne entfernt, der nur von Jetstar angeflogen wird. Oder wie ich ihn liebevoll getauft habe: Die Wellblechhuette. Denn genau das ist es: Eine Wellblechhuette. Wenigstens hat man keinerlei Orientierungsschwierigkeiten, denn es gibt genau ein Gepaeckband und ein Gate. Suess.

Unser Hostel war in North Melbourne und abends um 22.30 Uhr sahen wir auch schon unsere erste Show des so genannten Fringe Festivals. (Zur Info: Der Gewinn beinhaltete Hin- und Rueckflug fuer zwei Personen sowie Unterkunft, jeweils 2 Tickets fuer zwei Shows des Fringe Festivals sowie des International Arts Festivals und einen 150 Dollar-Lunch-Gutschein.)

Am Samstag ging es dann auf Sightseeing-Tour. Erstes Ziel: Die Touri-Info am Federation Square. Wir sahen uns anschliessend die “Earth from Above”-Ausstellung von Yann Arthus-Bertrand an, einige seiner Fotos kennt ihr bestimmt auch. Sehr beeindruckend. Ansonsten liefen wir so einige Gebaeude und Viertel wie Chinatown oder das Greek Precinct ab. Nachmittags um 13.00 Uhr sahen wir dann eine Performance im Rahmen des Arts Festivals im Arts Centre: Ein Klavier auf der linken Seite, ca. alle 20 Sekunden wird eine Note gespielt. Ein Mann an Laptops auf der rechten Seite, der Punkte auf eine Leinwand projeziert und elektronische Musik, eher Toene, mit dem Klavier kombiniert. Kurz und gut: Es war eine Tortur! Nach knapp der Haelfte verliessen wir dann fluchtartig den Saal – wie auch schon weit ueber ein Dutzend Leidensgenossen vor uns.

Unser naechstes Ziel war das Restaurant, fuer das wir den Essensgutschein hatten. Fuer die naechsten Stunden waren wir nur mit dem Essen beschaeftigt. Und eigentlich war ich ja schon nach der Vorspeise satt. Riesenportionen. Aber einen Gutschein verfallen lassen? Niemals! Deshalb hatte ich nicht nur eine Vorspeise, sondern auch eineinhalb Hauptspeisen und ein gigantisches Stueck Schokoladenkuchen mit Eiscreme als Nachtisch. Klingt jetzt zwar nicht besonders beeindruckend, aber die Portionen waren riesig!! (Falls ich es noch nicht erwaehnt haben sollte.) Allein das Stueck Kuchen wog bestimmt gut und gerne seine 350 Gramm – oder mehr. Trotz groesster Bemuehungen von D. und mir haben wir trotzdem nur 130 Dollar des Gutscheines verbraucht. Dennoch den Respekt (oder das Entsetzen?) der Restaurant-Angestellten geerntet. Aber mehr ging beim besten Willen nicht mehr. Wir waren so vollgefuttert, wir konnten kaum noch laufen. Ein Erlebnis!

Abends dann eine weitere Show des Fringe Festivals. Die musste ich mir allerdings alleine ansehen, weil D. vom vielen Essen schlecht war. Meinem Saumagen hat das natuerlich nichts weiter ausgemacht, er verdaute froehlich vor sich hin. Doch zurueck zum Fringe Festival: Es waren nie mehr als 30 Zuschauer pro Vorstellung da, der Raum fasst insgesamt vielleicht 40. Man war deshalb nah am Geschehen und die Theaterstuecke waren durchaus gut. Kann ich nur empfehlen.

Am Sonntag ging es dann weiter mit dem Sightseeing-Programm. Auf zur Lygon Street (= Little Italy) und danach in das Old Melbourne Gaol, das alte Gefaengnis. Hier wurde Australiens beruehmt-beruechtige Volksheld-Verbrecher Ned Kelly gefangen gehalten und gehaengt. Hat mir sehr gut gefallen, wir verbrachten auch fast zwei Stunden dort! Der juengste Insasse war uebrigens ganze drei Jahre alt. Sein Vergehen: Ungezogenes Benehmen. Hach, die guten alten Zeiten. Es geht eben auch ohne Supernanny.

Im Anschluss daran eine Rundfahrt mit der kostenlosen City Circle-Tram, die alle wichtigen Touri-Highlights anfaehrt. Ein Abstecher zu den Queen Victoria Markets, die wirklich alles verkaufen. Sowie zu den Arts Centre Markets, ein Kunst- und Handwerkermarkt. Da es doch recht kuehl war, verzogen wir uns danach wieder in ein warmes Gebaeude: Die National Gallery of Victoria. Durchaus empfehlenswert. Ebenso wie das Ian Potter Centre am Federation Square, welches ebenfalls zur National Gallery gehoert. Ach ja, Eintritt kostenlos.

Abends Show Nr. 2 des Arts Festivals: “Monumental”, eine Performance der australischen Taenzerin Ros Warby. Sie tanzte aber nicht wirklich, sondern improvisierte, stampfte, schrie und zuckte. Auf der Leinwand: Sterbende Voegel, eine ueberdimensional grosse Hand, ein ueberdimensional grosser Fuss, die Kuenstlerin selbst. Angeblich eine Hommage an Schwanensee. Dauerte Gott sei Dank nur 50 Minuten. War zwar nicht ganz so furchtbar wie die andere Show, aber mir fehlt eindeutig der Zugang zu dieser Art von Kunst. Bin halt ein kleiner Kulturbanause. Denn das ist mir an diesem Wochenende eindeutig klar geworden: Ich bin doch mehr der Verbrechen liebende Verdauungs- als der hohe Kunst schaetzende Kulturtyp. Tja.

Am Montag gingen wir in den Botanischen Garten. Zuerst den Shrine of Remembrance, der den im Kampf gefallenen australischen Soldaten gewidmet ist, besucht. Am Remembrance Day, dem 11.11., um 11.00 Uhr morgens wandert uebrigens ein Lichtstrahl der Sonne ueber den in der Mitte des Bodens eingelassenen Gedenkstein. Natuerlich nur, wenn die Sonne scheint. (Und woran musste ich die ganze Zeit denken? Genau: “Helau!”)
Anschliessend eine kostenlose Fuehrung durch den Botanischen Garten, wir beide waren die einzigen Tourteilnehmer. Der Garten ist wirklich wunderschoen, gefaellt mir noch um einiges besser als der in Sydney. Im Anschluss daran fuhren wir mit dem kostenlosen Tourist-Shuttlebus zum Parlament von Victoria. (Sightseeing ist sehr preisguenstig in Melbourne, das gefaellt mir!) Und dann war es ja auch schon wieder Zeit unser Gepaeck zu holen und zurueck zur Wellblechhuette zu fahren.

Alles in allem: Melbourne ist doch um einiges kleiner, kompakter und ruhiger als Sydney. Es ist bekannt fuer sein staendiges Aprilwetter, welches wir natuerlich auch zu spueren bekamen. Innerhalb von wenigen Minuten kann man wirklich zwei Lagen an- oder ausziehen. Und trotz der beiden Festivals haben wir doch recht viel von der Stadt selbst sehen koennen. Es war also mal wieder ein ereignisreicher Wochenendausflug.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schöner Bericht, mehr am Telefon.

Sebastian hat gesagt…

Wollte nur anmerken, dass das Wort "süß" auf einer Aussie-Tastatur ziemlich irritierend aussieht. Ansonsten viele Grüße aus WÜ!
Sebastian

Eva hat gesagt…

Da hat wohl jemand nichts Besseres zu tun als staendig Kommentare in mein Blog zu schreiben?! ;) Sehr gemein von dir, ich vermisse die Umlaute doch so sehr...