Sonntag, Oktober 22, 2006

Die Geschichte von Trolley


Es war einmal ein australischer Einkaufswagen namens Trolley. Trolley war ein gluecklicher Einkaufswagen, er funkelte und blitzte froehlich im Schein der Supermarkt-Neonroehren. Besonders stolz war Trolley auf seine tadellos rollenden Raeder. Er liebte es die Gaenge des Supermarktes hoch und runter zu rollen. Am liebsten mochte er Gang Nr. 3, Schokolade und Suessigkeiten, da der Boden dort besonders huebsch glaenzte und viele Kinder ihn mit Waren fuellten.

Ja, unser Trolley war ein gluecklicher Einkaufswagen! Er fuehlte sich wohl in seinem Supermarkt und konnte sich nichts Schoeneres vorstellen, als staendig die Gaenge rauf und runter zu rollen. Eines Tages aber geschah das Ungeheuerliche. Eine Frau hatte ihren Wocheneinkauf mit Hilfe von Trolley erledigt und er rollte vollbepackt zur Kasse. Trolley wusste, dass die Frau ihn zu ihrem Auto fahren wuerde, damit sie nicht all die schweren Tueten schleppen musste.

Trolley mochte das nicht. Er musste dafuer ja seinen geliebten Supermarkt verlassen und ueber den rauen Asphalt des Parkplatzes rollen. Viele seiner Freunde haben sich dort schwere Verletzungen an ihren Raedern zugezogen und davor hatte Trolley grosse Angst. Ausserdem musste er draussen warten bis ihn ein Angestellter wieder in den Supermarkt fuhr. Es hat zwar erst einmal geregnet als Trolley draussen auf dem Parkplatz war, aber seitdem hatte er kleine Rostflecken, die nicht im Licht der Neonroehren glaenzten. Nein, Trolley mochte den Parkplatz nicht.

Er rollte also ueber den Asphalt und fuerchtete um seine Raeder, da die Frau ihn nicht besonders gut behandelte. Dummerweise schien sie auch noch am Ende des Parkplatzes ganz weit hinten ihr Auto abgestellt zu haben. Doch was war das? Sie hielt nicht am letzten geparkten Auto an, sondern fuhr einfach weiter. Sie verliess den Parkplatz! Einfach so!

„Oh mein Gott, ich werde entfuehrt!!!“, wurde es Trolley schlagartig klar. Er versuchte seine Raeder zu blockieren, aber die Frau war staerker als er. Daher quietschte er mit ihnen um Hilfe, aber keiner eilte zu seiner Rettung. Man ignorierte ihn einfach. Er war verloren!

Trolley war voellig verweifelt. Die Frau rollte ihn den Buergersteig entlang. Bald wurde die Strasse schlechter, es gab viele Schlagloecher und kaltherzig liess sie ihn von Bordsteinkanten runterplumpsen und stiess ihn ueber Steine hinweg. Sein rechtes Hinterrad fing an zu eiern.

„Stupid Trolley!“ beschimpfte ihn die Frau. Trolley war furchtbar traurig und aengstlich. Er hatte dieser Frau doch nichts getan, warum war sie so gemein zu ihm? Nach einer unendlich langen Zeit hielt sie schliesslich vor einem grossen Wohnhaus an und schleppte eine Tuete nach der anderen zur Tuere. Dann betrat sie das Haus und liess Trolley leer und einsam und ohne ein kleinstes Zeichen der Dankbarkeit draussen stehen.

Trolley hatte furchtbare Angst, dass die Frau wiederkommen und ihn von Buergersteigen stossen wuerde. Aber sie kam nicht wieder. Da wurde Trolley klar, dass er keine Ahnung hatte, wo er sich befand. Wie sollte er nur zurueck zum Supermarkt gelangen? Vielleicht wuerde ihn ja jemand anders zurueck bringen!

Also wartete Trolley. Er verbrachte seine erste Nacht im Freien. Am naechsten Morgen stellte er fest, dass er als Muelltonne missbraucht worden war und man eine alte CD und Papier in ihn geschmissen hatte. Keiner kuemmerte sich um ihn. Er verbrachte seine zweite Nacht draussen. Dann seine dritte und seine vierte. Was fuer ein jaemmerliches Leben! Trolley vermisste den Supermarkt und dessen Boeden so sehr. Langsam gab er aber die Hoffnung auf, ihn jemals wiederzusehen. Haette er doch nur die Zeit im Supermarkt ausgiebig genossen und sich nicht ueber die staendigen Mehlspuren in Gang 5 geaergert!

Trolley hatte sich schon fast damit abgefunden den Rest seiner Tage neben einem kaputten Fahrradreifen zu verbringen, als am Nachmittag des fuenften Tages ein Laster mit Anhaenger langsam die Strasse entlang rumpelte. Trolley traute seinen Augen kaum: Auf dem Anhaenger befanden sich ganz, ganz viele andere Einkaufswaegen!

„Ich bin hier, bitte nehmt mich mit!!!“ versuchte Trolley zu schreien. Was ihm nicht gelang, da Einkaufswaegen keinen Mund und Sprechorgane haben. Dennoch hielt der Laster an und ein Mann hievte Trolley auf den Anhaenger zu den anderen Einkaufswaegen. Gemeinsam fuhren sie noch gut zwei Stunden lang durch die Gegend und sammelten weitere verlassene Leidensgenossen ein. Und schliesslich und endlich fuhren sie zum Supermarkt!

Trolley war uebergluecklich. Endlich konnte er wieder ueber die geliebten Gaenge seines Supermarktes rollen! Mit seiner Rad-Verletzung hat er sich abgefunden und er genoss sein Dasein in vollsten Zuegen. Schliesslich wusste er, dass er jederzeit wieder von einem grausamen Einkaeufer gekidnappt werden koennte...

Diese Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. Tagtaeglich werden australische Einkaufswaegen grausam aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und nicht wieder zurueck gebracht. Daher wurde die „Trolley Tracker“-Hotline eingerichtet. Sollten Sie einen verlassenen Trolley sehen, rufen Sie dort kostenlos an und geben Sie den Standort des Einkaufswagens bekannt! Liebevolle Mitarbeiter werden sich um das Entfuehrungsopfer kuemmern, es abholen, zu einem Supermarkt bringen und behutsam wieder in das Alltagsleben einfuehren. Die Entfuehrung von Einkaufswaegen verstoesst gegen australisches Recht und Taeter muessen mit einer hohen Geldstrafe rechnen.

Kommentare:

Verena Edelmann hat gesagt…

Hi Eva,
bin heut mal wieder auf deine Seite gegangen u. hab da die super süße Geschichte von dem Trolley gelesen. Ist echt voll süß geschrieben. Aber ist das wirklich so in Australien?Kann man da einen Service Center anrufen u. die holen dann den Trolley ab, wenn der irgendwo "allein u. verlassen" herum steht?!
Hoffe dir geht es sonst gut. Ist schon wahnsinn was du alles so erlebst. Irgendwann muss ich mir das auch mal in echt anschauen.
Dann wünsch ich dir noch schöne Tage. Grüße auch vom Rest der Edelmann´s. Bis bald, verena

Eva hat gesagt…

Hi Verena, schoen dich wieder zu lesen! Ja, das hier ist wirklich so. Ich habe sogar schon so einen Anhaenger vollbeladen mit Einkaufswaegen gesehen. An dieser Stelle auch mal viele Gruesse an deine Familie! Meine Eltern richten mir uebrigens auch immer brav eure Gruesse aus, ich hoffe umgekehrt erhaltet ihr auch meine. :)

Bartholomew Gallacher hat gesagt…

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.

Was das mit dem Trolley zu tun hat? Keine Ahnung. Aber ich wollte es endlich mal gesagt haben!